Ärzte Zeitung online, 18.02.2010

Briten verwundert über deutsches Bahner-Englisch

LONDON/BERLIN (dpa). "Kiss and Ride" für Kurzzeitparker, Auskünfte beim "Service Point", zum Fahrkartenkauf an den "Counter": So viele Anglizismen bei der Deutschen Bahn verwundern selbst die Briten. Ein Reporter des Senders BBC kam bei seiner Reise mit dem Zug aus dem Staunen nicht mehr heraus.

"Ich war auf einer deutschen Bahnstation. Ich sage zwar "deutsch", aber wenn die Würstchenstände und die Brezelbuden nicht gewesen wären, hätte ich wohl geglaubt, ich wäre bei British Rail, nicht der Deutschen Bahn", so der BBC-Reporter.

Mit etwas britischem Humor stichelt der BBC-Reporter gegen die englischen Wörter im deutschen Alltag und greift die Initiative von Vorstandschef Rüdiger Grube auf, künftig englische Begriffe verstärkt durch deutsche zu ersetzen. "Zugsprache in Deutschland bekommt nun ein teutonisches Facelifting", so der Brite. "Call-a-Bike" werde künftig "Mietrad-Angebot der Deutschen Bahn" heißen. Das klinge "zwar nicht so flott, aber viel mehr nach Deutsch".

Bei einem Konzernsprecher der Bahn habe der britische Reisende auf die Frage nach der Umstellung von Englisch auf Deutsch die Auskunft bekommen: "Weil wir ein deutsches Unternehmen sind, ist Deutsch unsere erste Sprache." Die Deutsche Bahn wolle ihren Kunden mit klarer Sprache "verständlich machen, was wir ihnen sagen möchten", aber auch ausländische Touristen informieren.

Nach Angaben des Vereins Deutsche Sprache (VDS) gibt es derzeit 8000 englische Wörter im deutschen Sprachgebrauch. Dem Verein ist jedoch ein Dorn im Auge, wie aggressiv die Deutsche Bahn damit umgeht. Der frühere Vorstandschef der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, wurde von VDS  zum "Sprachpanscher des Jahres 2007" gewählt. "Leider hat die Deutsche Bahn aus diesem ersten Preis nicht viel gelernt", sagte Vereinsvorsitzender Walter Krämer.

Vorstandschef Grube hatte in einem Brief an den CSU-Bundestagsabgeordneten Ernst Hinsken versprochen, weniger Englisch zu sprechen. "Die Verwendung der deutschen Sprache im Interesse der allgemeinen Verständlichkeit liegt uns sehr am Herzen", schrieb Grube. Bleiben sollen aber etablierte Marken wie Bahncard und Intercity.

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