Ärzte Zeitung online, 18.02.2010

Chronisch Kranke vermissen Aufklärung

BERLIN (dpa). Mangelnde Aufklärung führt einer Studie zufolge häufig dazu, dass chronisch Kranke Fehler bei der Einnahme von Medikamenten machen.

Knapp ein Drittel der Befragten, die ihre Arzneimittel nicht regelmäßig eingenommen hatten, gaben an, nur begrenzt oder gar nicht über Wirkung und Funktion informiert worden zu sein. "Das ist ein großes Problem, was verstehen eigentlich Patienten, wenn sie informiert werden?", sagte der Bremer Gesundheitsforscher Gerd Glaeske am Mittwoch in Berlin.

Glaeske regte an, spezielles Personal in den Praxen zu schulen, um die Verständigung zu verbessern. Bislang hätten auch Apotheken die "große Chance" nicht genutzt. "Leider ist in 40 Prozent der Apotheken die Übergabe von Medikamenten eher kommunikationslos." In der Studie des Bremer Instituts für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung und der Versandapotheke Sanicare sind bislang 1200 Fragebögen ausgewertet worden.

Mit der Studie soll ermittelt werden, ob Zuzahlungen bei Arzneimitteln den Krankheitsverlauf der Patienten negativ beeinflussen. Nach Angaben der Forscher haben Analysen in anderen Ländern belegt, dass Zuzahlungen die Compliance - unter anderem die regelmäßige Medikamenteneinnahme - verringerten und die Lebenszeit verkürzten. Die Teilnehmer der Bremer Studie bekommen die Hälfte der Beträge erstattet, damit die Auswirkungen der Zuzahlungen von fünf bis zehn Euro pro Medikament auf die Einnahme von Arzneimitteln untersucht werden können.

Nur zehn Prozent der Befragten sprachen von einer Verbesserung des Therapieerfolgs durch Zuzahlungen, knapp drei Viertel (73 Prozent) teilten diese Meinung nicht. Ein Viertel glaubt, dass wegen der Zuzahlungen die Vorschriften zur Einnahme genauer beachtet würden. Die Hälfte verneinte dies.

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