Ärzte Zeitung online, 19.02.2010

Genom von südafrikanischem Erzbischof Tutu entziffert

LONDON (dpa). Forscher haben das Genom von Erzbischof Desmond Tutu aus Südafrika entziffert. Die Gensequenz des Friedensnobelpreisträgers soll unter anderem dazu beitragen, die Verwandtschaftsverhältnisse der südafrikanischen Volksstämme zu klären.

Das berichtet eine Gruppe um Dr. Vanessa Hayes von der Universität New South Wales in Australien. Nach dem DNA-Mitentdecker James Watson ist Tutu der zweite Nobelpreisträger, dessen Genom gelesen wurde.

Insgesamt analysierte das internationale Team Gensequenzen von fünf afrikanischen Männern. Tutu - er gehört zum Stamm der Bantu - und ein Stammesältester aus der Kalahari-Wüste wurden dabei vollständig erfasst. Ergänzt werden diese Sequenzen um zahlreiche Gendaten dreier weiterer Stammesältester, die jeweils Gemeinschaften von Jägern und Sammlern vorstehen. Von ihnen wurden jene Gen-Regionen gelesen, die in Proteine übersetzt werden. Die Daten sind zugänglich via Internet. Tutu sei durch seine Herkunft ein idealer Repräsentant für die meisten Menschen im Süden Afrikas, erläuterte Hayes.

Die Forscher untersuchten unter anderem die Unterschiede in den Genomen. Dabei stellte sich heraus, dass die Differenzen innerhalb der Afrikaner im Durchschnitt größer waren als zwischen einem Europäer und einem Asiaten, erklärte Professor Webb Miller von der federführenden Penn State Universität in den USA. Die Studie könnte ein neues Licht auf die frühe Entwicklung der Menschheit werfen, schreiben die Forscher außerdem (Nature 463, 2010, 943).

Für die zweijährige Arbeit wurden drei neue, besonders schnelle und günstige Sequenzierungsverfahren eingesetzt. Die genetischen Daten werden jeweils um eine ausführliche Krankengeschichte ergänzt. Diese sollen dabei helfen, die Funktion der Gene zu deuten.

Bereits in der nun vorliegenden Analyse zeigt sich, so ergänzt das Team, dass die umherziehenden Buschmänner bei einer Änderung ihres Lebensstils für einige Krankheiten anfällig wären, die besonders sesshafte Menschen treffen. Dazu zählen die Folgen einer fettreichen Ernährung sowie Malaria.

Die DNA zeigte zudem, das Tutu in direkter mütterlicher Linie von Buschmännern abstammt. Der Erzbischof wusste bisher nichts davon, sagte nun aber: "Ich bin ein wahres Kind Südafrikas. Darüber bin ich sehr glücklich." Tutu hatte 1984 für seine versöhnende Rolle bei der Überwindung der Rassentrennung in Südafrika den Friedensnobelpreis erhalten.

Derzeit sind die Genome von rund 25 Menschen gelesen, nicht alle sind aber in wissenschaftlichen Journalen publiziert.

Abstract der Studie: "Complete Khoisan and Bantu genomes from southern Africa"

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