Ärzte Zeitung online, 22.02.2010

Möglicherweise 300 000 Tote bei Erdbeben in Haiti

CANCúN (dpa). Die Zahl der Toten beim Erdbeben in Haiti hat sich nach jüngsten Angaben der Regierung erneut erhöht. Es seien am 12. Januar möglicherweise bis zu 300 000 Menschen ums Leben gekommen, sagte Haitis Präsident René Préval am Sonntag bei einem Treffen der Karibikstaaten bei Cancún in Mexiko.

Er bat die internationale Gemeinschaft angesichts der verheerenden Zerstörung erneut um Hilfe. Haiti müsse nicht nur wieder aufgebaut, sondern neu gegründet werden, sagte Préval.

   Nach dem Beben, das die Hauptstadt Port-au-Prince und deren nähere Umgebung zerstörte, seien mehr als 200 000 Leichen eingesammelt worden. Unter den Trümmern Hunderter von Gebäuden, darunter Schulen und Universitätsinstituten, befänden sich noch zahlreiche Tote. Es sei deshalb möglich, dass bis zu 300 000 Menschen insgesamt zu Tode gekommen sein könnten, argumentierte Préval, ohne die hohe Zunahme weiter zu erläutern. Bisher lautete die Sprachregelung der Regierung, dass 217 000 Tote geborgen und unter den Trümmern noch viele Leichen verschüttet seien. Experten sind der Meinung, dass sich die tatsächliche Zahl der Todesopfer nie ermitteln lassen wird.

Préval sprach zu Beginn des großen Gipfeltreffens von 32 Staaten Lateinamerikas und der Karibik bei Cancún an der mexikanischen Karibikküste, zu dem am Sonntag deren Präsidenten angereist waren. Bei dem Treffen am Montag und Dienstag wollen die Staaten Maßnahmen zu einer größeren Einheit beraten. Neben Haiti dürfte auch Honduras im Zentrum der Beratungen stehen. Honduras, dessen damaliger Präsident Manuel Zelaya im vergangenen Jahr gestürzt worden war, ist bei dem Treffen als einziges Land nicht vertreten.

"Internationale Treffen müssen nun sehr rasch bestimmen, wie die Hilfe aussehen soll", forderte Préval. "Und es muss auch festgelegt werden, was für den Wiederaufbau Haitis aufgebracht werden muss." Haiti werde sein eigenes Programm vorlegen, wenn derartige Konferenzen stattfänden. Das Ziel müsse sein, ein Land zu schaffen, das gerechter sei und das seine Mittel nicht nur in der Hauptstadt konzentriere, wo die wirtschaftlichen und politischen Eliten wohnten.

Bei dem Erdbeben sind Schätzungen zufolge 60 Prozent der Bauten in der Hauptstadt zerstört oder so schwer beschädigt worden, dass sie abgerissen werden müssen. Bei einem Treffen mit der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet zuvor in Haiti, sagte Préval, von 1,2 Millionen Obdachlosen seien bisher nur 300 000 in neuen Zelten der internationalen Hilfsorganisationen untergekommen. 900 000 lebten weiterhin unter schwierigen Bedingungen in den wilden Obdachlosenlagern, die in der ganzen Stadt nach der Katastrophe entstanden waren.

Ursprünglich hatte die Regierung geplant, möglichst viele Obdachlose in mehreren großen Camps außerhalb der Stadt unterzubringen, um vor allem das Zentrum abreißen und neu aufbauen zu können.

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