Ärzte Zeitung online, 28.02.2010
 

Nach dem schweren Erdbeben in Chile: Hunderte Tote, Tsunami in Japan

POTSDAM (dpa). Das schwere Erdbeben in Chile ist das fünftstärkste Beben gewesen, dass jemals gemessen wurde. In den kommenden Tagen, Monaten, wenn nicht sogar Jahren rechnen Geologen mit zum Teil schweren Nachbeben. Die chilenischen Behörden meldeten mehr als 300 Tote. Tsunami erreichten die Küste Japans.

Nach dem schweren Erdbeben in Chile: Hunderte Tote, Tsunami in Japan

Durcheinander gewürfelte Autos auf einer Straße in Santiago nach dem schweren Erdbeben. © dpa / bildfunk

Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntagnachmittag (Ortszeit) meldete, wurden an der Küste der nördlichen Provinz Iwate Flutwellen von 1,45 Metern Höhe beobachtet. TV-Bilder zeigten Hafengebäude, die umspült wurden. Berichte über größere Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor.

"Ein Beben der Stärke 8,3 bis 8,8 hat mehr als 100 Mal so viel Kraft wie das Erdbeben von Haiti mit einem Wert von 7,1 Anfang des Jahres", sagte Jochen Zschau vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ am Samstag in Potsdam zur dpa. "Einige davon könnten noch stärker als das Beben von Haiti sein."

An den Rändern der tektonischen Platten hatten sich über einen langen Zeitraum starke Spannungen aufgebaut, die sich nun schlagartig entladen hätten, sagte der Wissenschaftler. Dabei seien enorme Bewegungen in Gang gesetzt worden. Nun müsse genau festgestellt werden, wie die Bewegungen abliefen und wie sie verursacht wurden.

Die Nasca-Platte - sie ist die Ursache vieler schwerer Erdbeben und Tsunamis in Chile - schiebe sich beispielsweise mit etwa sechs bis sieben Zentimetern im Jahr unter Südamerika. Daneben rutsche der Kontinent etwa zwei bis drei Zentimeter pro Jahr in Richtung Westen. "Beide Bewegungen kollidieren miteinander und führen so zu großen Spannungen", sagte er.

Beim Haiti-Beben am 12. Januar habe es enorme Bewegungen an der Grenze zwischen karibischer und nordamerikanischer Platte gegeben, erinnerte Zschau. Die kleinere karibische rutsche dort rund sieben Millimeter im Jahr Richtung Osten an der nordamerikanischen Platte vorbei.

Weltweit gibt es im Schnitt nur einmal im Jahr ein Erdbeben mit der Magnitude 8 und mehr. Zehnmal bebt es durchschnitlich mit der Stärke 7.

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