Ärzte Zeitung online, 01.03.2010

Tsunami hat ganze Orte weggerissen - Zahl der Opfer in Chile wird steigen

SANTIAGO DE CHILE (dpa). Nach einem der schwersten registrierten Erdbeben geht die chilenische Regierung im Katastrophengebiet gegen Plünderer vor. Sie verhängte den Ausnahmezustand über die besonders betroffenen Regionen Maule und Bío Bío und entsandte 10 000 Soldaten. Bis jetzt gibt es 711 Todesopfer.

Tsunami hat ganze Orte weggerissen - Zahl der Opfer in Chile wird steigen

Ein zerstörtes Gebäude in Concepcion. © dpa / bildfunk

Zugleich kündigte Präsidentin Michelle Bachelet am Sonntag einen Aktionsplan an, der die Verteilung von Lebensmitteln, Decken und Medikamenten an Hunderttausende Bedürftige vorsieht.

Die Zahl der registrierten Todesopfer des Bebens der Stärke 8,8 vom Samstag wurde mit 711 angegeben. Die Zahl werde in nächster Zeit noch weiter steigen, sagte Innenminister Edmundo Pérez Yoma. "In den Küstenregionen hat ein Tsunami ganze Ortschaften fortgerissen. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr schlechte Nachrichten werden wir bekommen."

In der Stadt Concepción etwa 500 Kilometer südlich von der Hauptstadt Santiago, wo es zuvor zu zahlreichen Plünderungen gekommen war, leerten sich in der Nacht zum Montag wegen einer Ausgangssperre die Straßen. Nur wenige Menschen wagten sich daher aus den Häusern. Bei der Verteilung von kostenlosen Lebensmitteln kam es jedoch zu Rangeleien. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein.

Der designierte Präsident Sebastián Piñera kündigte einen Wiederaufbauplan für das Land an. Bis zu seinem Amtsantritt in der kommenden Woche stimme er sich mit der amtierenden Staatschefin ab, damit im Kampf um die Überwindung der Katastrophe Kontinuität gewährleistet sei, sagte Piñera nach Radioberichten vom Montag.

Erstmals bat Bachelet auch das Ausland um Hilfe. Chile benötige Unterstützung für Krankenhäuser, Behelfsbrücken, Kommunikationseinrichtungen, Rettungsexperten, Statiker und Wasserentsalzungsanlagen. "Die UN, insbesondere der Nothilfekoordinator, stehen bereit", sagte Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Aus Deutschland waren bereits Helfer nach Chile unterwegs. Aus Argentinien trafen drei Feldlazarette ein.

Auf dem erheblich beschädigten internationalen Flughafen von Santiago landete am Sonntag erstmals wieder eine Passagiermaschine. Die EU-Kommission gibt drei Millionen Euro als Soforthilfe. Erste Hilfsmannschaften aus Deutschland machten sich auf den Weg ins Katastrophengebiet. Über deutsche Opfer lagen dem Auswärtigen Amt in Berlin keine Informationen vor.

Vor allem in Maule und Bío Bío gelten zahlreiche Menschen noch als vermisst. Die genaue Zahl der Obdachlosen war unbekannt. Bachelet hatte von 1,5 Millionen zerstörten oder beschädigten Wohnungen gesprochen. Die Stadt Concepción, die dem Epizentrum des Bebens am nächsten liegt, hat sich in ein Niemandsland verwandelt. Menschen plünderten Apotheken und andere Geschäfte.

Die Bürgermeisterin Jacqueline van Rysselberghe versuchte, über ihr Handy Hilfe von der Zentralregierung in Santiago zu bekommen. In der Stadt mit mehr als 200 000 Einwohnern gab es weder Strom noch Wasser. Bewohner fuhren mit Autos umher, immer auf der Suche nach Lebensmitteln oder Medikamenten.

Während die befürchteten Riesenwellen über den Pazifik ausblieben, verschlimmerten die Wassermassen in Chile das Elend noch. In der Stadt Talcahuano bot sich wie in vielen anderen Küstenorten ein Bild des Schreckens: Während selbst größere Schiffe bis ins Stadtzentrum geschwemmt wurden, dümpelten Reste von Holzhäusern im Meer.

Topics
Schlagworte
Panorama (32847)
Personen
Ban Ki Moon (81)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Quereinstieg zum Hausarzt – reicht ein Jahr Weiterbildung?

Der Deutsche Hausärzteverband warnt vor einer Verwässerung der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Ein Jahr Weiterbildung reiche nicht für Umsteiger aus der Klinik. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »