Ärzte Zeitung online, 03.03.2010

Weiter Kluft zwischen Lebenslagen in Ost und West

ROSTOCK (dpa). Auch 20 Jahre nach der Wende sorgen gravierende Unterschiede bei Beschäftigung und Einkommen für abweichende Lebenslagen zwischen Ost- und Westdeutschen.

Welche Folgen regional verschiedene Arbeits- und Lebensbedingungen für die Entwicklung der Bevölkerung haben, darüber beraten seit Mittwoch Experten im Max-Planck-Institut (MPI) für Demografie.

MPI-Chef Joshua Goldstein stellte neue Erhebungen zur Geburten-Entwicklung in den ost- und westdeutschen Bundesländern vor. Während Frauen in der gesamten Bundesrepublik die Geburt des Nachwuchses immer mehr hinauszögerten, entschieden sie sich im Osten allerdings früher für ein zweites Kind. Goldstein und seine Kollegin Dr. Michaela Kreyenfeld sehen darin einen "Aufholeffekt" - nach der Wende seien die Ost-Geburtenraten bei Zweitkindern noch sehr niedrig gewesen.

Andererseits stürben Männer in Ostdeutschland im Schnitt nach wie vor eineinhalb Jahre früher als im Westen. Aus Sicht des Demografen Rembrandt Scholz ist die schlechte Arbeitsmarkt-Lage ein Grund hierfür. Insgesamt hätten soziale Unterschiede bei Frauen aber einen größeren Einfluss auf die Sterblichkeit als bei Männern, wie die Forscher Christian Wegner und Julia Schuster herausfanden.

Die Demografin Eva Kibele legte Ergebnisse vor, wonach gesetzlich versicherte Rentner in der Regel deutlich früher sterben als Altersgenossen, die sich privat krankenversichern lassen können. "Sie haben ein um etwa ein Drittel höheres Sterberisiko bei gleichem Alter", sagte Kibele der dpa. Dies erlaube aber keine Rückschlüsse auf mögliche Unterschiede in der medizinischen Versorgungsqualität. "Was dahinter steckt, sind Bildung, Einkommen und Art der Beschäftigung."

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