Ärzte Zeitung online, 15.03.2010

Experte warnt vor Jugendtrend "Shisha-Rauchen"

KÖLN/ERFURT (dpa). Immer mehr Jugendliche greifen zur Wasserpfeife statt zur Zigarette - und unterschätzen das Risiko. "Es ist ein Mythos, dass Wasserpfeife-Rauchen weniger gefährlich ist, weil das Wasser die Schadstoffe herausfiltert. Das Gegenteil ist der Fall", sagte der Leiter der Suchtprävention in der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung, Peter Lang, der Deutschen Presse-Agentur.

Experte warnt vor Jugendtrend "Shisha-Rauchen"

Viele Jugendliche unterschätzen die Gefährlichkeit des Wasserpfeife-Rauchens. © Arkady Chubykin / fotolia.com

Jeder zehnte Jugendliche zwischen 12 und 19 greift nach Befragungen von Experten mittlerweile regelmäßig zur "Shisha" genannten Wasserpfeife. "Seit etwa fünf Jahren gibt es einen enormen Trend", sagte Lang. Besonders bei Gymnasiasten, bei denen Rauchen inzwischen häufig verpönt ist, sei der Anteil der Shisha-Raucher höher als der der Zigarettenraucher. Das Fatale: "Nur jeder zweite Jugendliche weiß, dass Wasserpfeife-Rauchen schädlich ist."

Beim Shisha-Rauchen wird der Tabak nicht wie bei der Zigarette angezündet und direkt eingesaugt. Stattdessen wird feuchter Tabak, der häufig mit Aromen versehen ist, mit Kohle erhitzt. Der Rauch wird danach durch ein Wasserbehältnis gezogen. "Dadurch hat man beim Rauchen nicht dieses unangenehme kratzige Gefühl", erklärte Lang. Der Rauch schmecke oft nach Fruchtaromen wie Banane, Erdbeere oder Apfel. "Viele glauben, deswegen sei das Wasserpfeife-Rauchen sogar gesund."

Das Gegenteil ist der Fall. "Der Tabak brennt nicht, sondern schwelt bei niedrigeren Temperaturen", erklärte Lang. Dadurch entstünden besonders viele Gifte. "Weil der Rauch außerdem kälter ist als bei Zigaretten, werden die Schwermetalle wie Chrom, Nickel oder Blei viel tiefer in die Lunge gezogen." Langfristig steige die Gefahr für Lungenkrebs, aber auch für Krebsgeschwüre an der Lippe oder der Blase deutlich. "Für Jugendliche wirkt das oft weit weg. Leider ist es das aber nicht."

Wasserpfeifen sind aus den Kulturen des östlichen Mittelmeerraums nach Deutschland gekommen. "Im Regelfall ist das Rauchen bei den Jugendlichen ein geselliges Phänomen, wenn man gemütlich zusammen sitzt", sagte Lang. Nur sehr wenige der Raucher greifen täglich zur Wasserpfeife. "Deswegen bezeichnen sich viele Konsumenten auch selbst nicht als Raucher." Die meisten würden zwei bis dreimal im Monat Wasserpfeife rauchen.

Sorgen bereite vor allem der Trend bei den Jüngeren: "In der Gruppe der 15-Jährigen gibt es inzwischen so viele Zigaretten- wie Shisha-Raucher, etwa 15 Prozent", sagte Lang anlässlich des "Fachtags Suchtprävention" am Dienstag in Erfurt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »