Ärzte Zeitung online, 30.03.2010

Medien: DNA-Probe hätte Serienvergewaltiger gestoppt

KÖLN (dpa). Ein vor zwei Wochen festgenommener mutmaßlicher Serienvergewaltiger hätte nach Medienberichten schon 2007 gestoppt werden können. Bei einem Prozess gegen den Mann in Köln wegen sexueller Nötigung habe die Amtsrichterin damals auf die Anordnung einer DNA-Probe verzichtet, schreiben mehrere Zeitungen.

Die Probe hätte den Mann enttarnt, da das Bundeskriminalamt (BKA) seit 2001 dessen DNA von mehreren Tatorten gespeichert hatte. Dem Mitte März in der Eifel festgenommenen Familienvater werden 100 Sexualdelikte in Deutschland, Belgien und den Niederlanden vorgeworfen.

Ein Amtsgerichts-Sprecher sagte der dpa am Montag, es handele sich dennoch nicht um eine Justizpanne. Der Verfahrensverlauf 2007 sei als "absolut gängig und vertretbar" einzustufen, betonte Gerichtssprecher Jörg Baack. Der damals 43-Jährige sei nicht vorbestraft gewesen. Gegen ihn war in Köln ermittelt worden, weil er einer Frau nachts in ihren Hausflur gefolgt war und sie gegen eine Wand gedrückt hatte. Als die Frau um Hilfe rief und ein Nachbar sich einmischte, flüchtete der Mann.

Das Hauptverfahren gegen ihn wegen Nötigung in einem besonders schweren Fall sei mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft gegen eine Geldbuße eingestellt worden, bestätigte Baack. "Aus heutiger Sicht und mit dem heutigen Wissen ist die Situation eindeutig: Es würde sicherlich eine DNA-Probe angeordnet", sagte der Gerichtssprecher. 2007 sei die Lage aber eine andere gewesen und eine Proben-Anordnung rechtlich unmöglich. Eine Probe könne nur dann gegen den Willen eines Beschuldigten erzwungen werden, wenn es Anzeichen gebe, dass es zu wiederholten und schweren Straftaten kommen werde, sagte Baack. Diese Anzeichen hätten aber damals bei dem nicht vorbestraften Mann gefehlt.

Anschließend soll der Mann, der derzeit in Koblenz in Untersuchungshaft sitzt, erneut mehrfach zugeschlagen haben. Unter den insgesamt 100 Sexualstraftaten werden ihm auch 20 Vergewaltigungen vorgeworfen.

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