Ärzte Zeitung online, 30.03.2010

Deutsche Lohnnebenkosten unter EU-Schnitt - Arbeit wurde teurer

WIESBADEN (dpa). Die Arbeitskosten in Deutschland sind 2009 wegen der weit verbreiteten Kurzarbeit deutlich gestiegen. In der Privatwirtschaft kostete eine geleistete Arbeitsstunde die Unternehmen im Schnitt 30,90 Euro, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden berichtete.

Viele Firmen drosselten ihre Produktion, reduzierten Überstunden und setzten auf Kurzarbeit, um ihre Mitarbeiter nicht entlassen zu müssen. Der krisenbedingte Rückgang der Arbeitszeit verteuerte die Arbeitskosten pro Stunde. In der Privatwirtschaft insgesamt kostete eine Stunde Arbeit 4,1 Prozent mehr als 2008, in der Industrie 5,1 Prozent. Nur in sechs der 27 EU-Länder stiegen die Arbeitskosten pro Stunde 2009 stärker an als in Deutschland.

Die Lohnnebenkosten blieben 2009 in Deutschland hingegen unter dem EU-Schnitt. Arbeitgeber mussten hierzulande auf 100 Euro Bruttolohn und -gehalt 32 Euro Lohnnebenkosten für Sozialbeiträge bezahlen. EU-weit fielen hingegen Lohnnebenkosten von durchschnittlich 36 Euro an, errechneten die Statistiker. Am höchsten waren die Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen und der betrieblichen Altersvorsorge mit 50 Euro in Frankreich, am niedrigsten mit 9 Euro in Malta. In Deutschland sind die Lohnnebenkosten seit Jahren stabil. Bei den ersten Erhebungen des Bundesamtes 2004 lagen sie mit 33 Euro sogar leicht unter dem Wert von 2009.

Anders als Deutschland führten in EU-Staaten, die nicht dem Euro-Währungsgebiet angehören, zum Teil massive Abwertungen der heimischen Währung gegenüber dem Euro zu deutlich niedrigeren oder auch negativen Veränderungsraten. In Euro gerechnet verbilligte sich Arbeit etwa in Polen in der Privatwirtschaft 2009 um 14,7 Prozent, im Vereinigten Königreich um 10,9 Prozent, berichteten die Statistiker.

   Im europäischen Vergleich lag das Arbeitskostenniveau in Deutschland mit 30,90 Euro auf Rang acht hinter Dänemark, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Österreich, Finnland und den Niederlanden. Dänemark wies mit 37,40 Euro die höchsten, Bulgarien mit 2,90 Euro die niedrigsten Arbeitskosten je geleisteter Stunde auf. In acht weiteren Ländern, die allesamt neue EU-Mitglieder aus Osteuropa sind, lagen die Kosten ebenfalls unter zehn Euro pro Stunde. Im EU-Schnitt wurden pro Arbeitsstunde 22,70 Euro bezahlt, im Schnitt der Euro-Länder 27,10 Euro.

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