Ärzte Zeitung online, 31.03.2010

Platzende Brustimplantate - Betrug mit falschem Silikon

PARIS (dpa). Viele Frauen mit Brustimplantaten müssen möglicherweise zur Nachoperation, weil ein französischer Hersteller nicht zugelassenes Silikon benutzt haben soll. Bei einer Inspektion im PIP-Werk La Seyne-sur-Mer sei in Prothesen anderes Silikon gefunden worden als angegeben, erklärte Jean-Claude Ghislain von der französischen Agentur für medizinische Sicherheit Afssaps.

"Die waren überhaupt nicht regelkonform." Zehntausende Frauen in Europa und den USA seien betroffen, sagte Ghislain der Zeitung "Le Parisien" (Mittwochsausgabe). Ärzte waren auf das Problem gestoßen, weil ungewöhnlich viele Frauen mit PIP-Implantaten wegen gebrochener Silikonkissen nachoperiert werden mussten. Das Affsaps ordnete an, die Produkte vom Markt zu nehmen. Die betroffenen Frauen wurden aufgerufen, regelmäßig zur Mammografie zu gehen.

PIP hat nach eigenen Angaben seit 1992 mehr als 200 000 Brustimplantate verkauft. Angeblich soll das nicht zugelassene Silikon seit 2006 benutzt worden sein. Allein in Frankreich sind von 500 000 Frauen mit Brustimplantaten möglicherweise 30 000 betroffen. Die Staatsanwaltschaft nahm Vorermittlungen gegen die Firma auf.

Nach einem Bruch "wird die Brust sich zum ästhetischen Nachteil verformen, was eine neue Operation erfordert. Es kann größere örtliche Entzündungen geben", sagte Ghislain. Normalerweise löse das Silikon keine Krankheiten aus.

Die Agentur hege aber Zweifel in Bezug auf die Eigenschaften des von dieser Firma benutzten Silikongels. Möglicherweise gelange es aus der Kapsel in den Körper.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Für eine Welt ohne Typ-1-Diabetes

Ein hohes Risiko für Typ-1-Diabetes im Kindesalter erkennen und die Krankheit verhindern, ist das Ziel von Wissenschaftlern. Eine provokante PR-Aktion wirbt für ihre Arbeit. mehr »

Grippe-Impfsaison noch lange nicht vorbei!

Kein Land Europas erreicht die Influenza-Impfziele der WHO. Jetzt vor der Grippewelle appellieren Experten daher an Ärzte, noch möglichst viele Patienten zu schützen. mehr »

Wenn Insulin zum fetten Problem wird

Schon leicht erhöhte Insulinspiegel können offenbar Adipositas sehr stark fördern. Forscher haben sich den Zusammenhang angeschaut und empfehlen Intervallfasten – mit einer Einschränkung. mehr »