Ärzte Zeitung online, 06.05.2010

Stahlkuppel macht Hoffnung im Kampf gegen Ölpest

WASHINGTON (dpa). Am Golf von Mexiko konzentrieren sich die Hoffnungen im Kampf gegen die Ölpest jetzt auf eine beispiellose Aktion: Der BP-Konzern will bereits von diesem Montag an mit Hilfe einer riesigen, eigens gefertigten Stahlkuppel damit beginnen, das unablässig sprudelnde Öl am Meeresboden aufzufangen.

Ein Schiff mit der 113 Tonnen schweren und zwölf Meter hohen Vorrichtung brach am Mittwoch von Louisiana aus zu dem Bohrloch auf.

Nach der etwa zwölfstündigen Reise soll die Kuppel am Meeresgrund in 1500 Meter Tiefe über das Haupt-Ölleck gestülpt und anschließend während des Wochenendes mit einem Bohrschiff verbunden werden, erläuterte BP-Manager Doug Suttles. Man hoffe dann, von Montag an das Öl auf diese Weise an die Oberfläche zu holen. Die Stahlkuppel könnte, wenn alles klappt, laut Experten den Ölfluss zu 80 Prozent stoppen - so lange, bis das Leck endgültig abgedichtet ist.

Eine solche Aktion in dieser Tiefe gab es aber bislang noch nie. Die Aufgabe sei "sehr komplex", räumte Suttles ein. "Wir werden die ganze Zeit auf Herausforderungen treffen." Es sei, als lasse man ein Gebäude aus Metall auf den Meeresgrund hinab.

Die Einsatzkräfte begannen indes wieder damit, auf See schweres Öl in der Nähe der Bohrstelle abzufackeln. Zudem wurde der schmierige Teppich weiter mit Hilfe von Schiffen von der Meeresoberfläche abgeschöpft. Beides war über mehrere Tage wegen hoher Wellen und starker Winde nicht möglich gewesen. Laut Suttles konnte unterdessen zunächst nicht bestätigt werden, dass das Öl irgendwo entlang der amerikanischen Golfküste angelandet sei.

Gute Nachrichten gibt es indes von der Wetterfront. Zwar werde erwartet, dass der Wind in den nächsten Tagen wieder auf südliche Richtungen drehe, was das Öl Richtung Land treibe, sagte Charlie Henry von der US-Wetterbehörde NOAA. Allerdings sei er eher schwach. Entsprechend werde sich der Ölteppich nicht schnell bewegen. "In dieser Woche wird sich nichts rapide verändern", sagte er.

Dem BP-Konzern gelang es, mit Hilfe eines Unterwasserroboters das kleinste der drei Lecks am Meeresboden zu schließen, aus denen seit nunmehr fast zwei Wochen täglich mindestens 700 Tonnen Rohöl ins Wasser fließen. Suttles machte abermals deutlich, dass sich dadurch am Ölaustritt praktisch nichts ändere. Der Fortschritt sei allerdings, dass man nun nur noch mit zwei Lecks zu tun habe.

Angaben der NOAA zufolge wurden den Behörden seit vorigen Freitag zwischen dem Delta in Louisiana und Alabama 38 gestrandete Meerschildkröten gemeldet, die bis auf eine alle tot waren. "Nach sorgfältigen Untersuchungen glauben NOAA-Wissenschaftler nicht, dass die Schildkröten infolge der Ölpest an Land gerieten", sagte NOAA-Koordinatorin Barbara Schroeder. Bei zehn untersuchten Kadavern seien keine Spuren von Öl gefunden worden. An der Golfküste stranden den Angaben zufolge jedes Jahr tausende der Schildkröten.

Webseite der am Einsatz beteiligten US-Behörden und Unternehmen

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