Ärzte Zeitung online, 07.05.2010

Kampf gegen Müttersterblichkeit zeigt langsame Erfolge

Mehr als 250 000 Frauen sterben jedes Jahr in Afrika, während sie ein Kind auf die Welt bringen. Hilfsorganisationen schulen zum Beispiel in Äthiopien Hebammen und helfen so, die Situation zu verbessern.

Von Eva Krafczyk

AMBOBER/ÄTHIOPIEN (dpa). Es ist halbdunkel in der kleinen Lehmhütte, in der Zewee Tesfaye auf ihrem Bett liegt. Sie hat den Blick gespannt auf Workenesh Habtamu gerichtet, die vorsichtig den gewölbten Leib der schwangeren Äthiopierin abtastet. Plötzlich lächelt sie. "Ich fühle das Baby. Es ist größer und stärker geworden seit dem letzten Besuch", versichert sie. "Wenn die Zeit da ist, in drei bis vier Monaten, dürfte es keine Probleme geben."

Nun lächelt auch die 32-Jährige, die mit ihrem zweiten Kind schwanger ist. Sie vertraut ihrer Hebamme, die schon seit 25 Jahren als traditionelle Geburtshelferin arbeitet. Inzwischen betreut sie bereits junge Frauen, die sie einst auf die Welt gebracht hat.

"Eine meiner Nachbarinnen hat Frauen in unserem Dorf bei der Geburt geholfen", erzählt sie von den Anfängen ihrer Arbeit. "Ich habe sie begleitet, seit ich ein junges Mädchen war, und so von ihr gelernt."

Doch die traditionellen Geburtshelferinnen kommen oft erst, wenn die Wehen einsetzen. Und wenn Komplikationen auftreten, sind sie schnell überfordert. "Früher konnte ich den Frauen nur sagen: Atme, presse, und halte durch", erinnert sich Workenesh Habtamu, eine zierliche Frau mit traditioneller Tätowierung am Hals. "Wenn das Kind falsch lag oder es andere schwere Probleme gab, konnten wir nur noch beten." Doch für viele Frauen war es da schon zu spät.

Mangelnde Hygiene bei Hausgeburten, eine in ländlichen Gebieten oft unzureichende medizinische Infrastruktur, unterernährte Schwangere, die als Mädchen meist Opfer von Genitalverstümmelung wurden, erhöhen die Risiken bei der Geburt. In Ländern wie Äthiopien, Sierra Leone, Burkina Faso oder im Südsudan ist das Risiko von Frauen, während oder nach der Geburt zu sterben, so groß wie fast nirgendwo sonst auf der Welt.

Mehr als 250 000 Frauen sterben jedes Jahr in Afrika, während sie ein Kind auf die Welt bringen. Und in vielen Fällen hat auch das Neugeborene keine Überlebenschance.

"Ein Mädchen im Südsudan hat höhere Aussichten, bei der Geburt zu sterben, als die Grundschule zu beenden", heißt es etwa in einem Bericht der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen".

In Äthiopien hat die Regierung Gesundheitsstationen in ländlichen Gebieten eingerichtet, die jeweils etwa 5000 Menschen versorgen. Doch die Mitarbeiterinnen, die mit den Dorfbewohnern regelmäßig über Hygiene, Ernährung oder Schutz vor HIV-Infektionen reden, sind noch nicht einmal ausgebildete Krankenschwestern.

Auch in den Gesundheitsstationen sind die Mitarbeiterinnen - ähnlich wie die traditionellen Geburtshelferinnen - oft mit allen größeren Gesundheitsproblemen überfordert.

Zewee Tesfaye fühlt sich von ihrer Hebamme dennoch ausreichend betreut. Workenesh Habtamu erhielt eine zusätzliche Schulung als Hebamme von der Hilfsorganisation World Vision, die seit einiger Zeit im Rahmen einer Kampagne Projekte zum Kampf gegen Müttersterblichkeit verstärkt.

"Nun kann ich Frauen auch während der Schwangerschaft besser betreuen und weiß oft schon vor den ersten Wehen, ob es Probleme bei der Geburt geben könnte", sagt sie zuversichtlich. In solchen Fällen rät sie den Frauen, nicht zu Hause zu entbinden, sondern auf jeden Fall rechtzeitig ins Krankenhaus zu gehen.

Vom Bergdorf Ambober ist es ein mehrstündiger Fußmarsch in die nächste Stadt. Aber die Hebamme weiß: Der mühsame Weg kann im Zweifelsfall Leben retten.

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