Ärzte Zeitung online, 10.05.2010
 

Menschenaffen-Forschung: Ein Kopfschütteln heißt Nein

BERLIN/LEIPZIG (dpa). Bonobo-Menschenaffen sind uns vermutlich ähnlicher als wir bisher dachten. Forscher belegten erstmals, dass die putzigen Äffchen den Kopf schütteln, um einem Artgenossen ein "Nein" zu signalisieren.

Solche eindeutigen Gesten seien bisher nur bei Schimpansen beobachtet worden, berichten Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, der Freien Universität Berlin und der britischen Universität Portsmouth in der Fachzeitschrift "Primates".

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler um Christel Schneider Bonobos in den Zoos von Leipzig und Berlin sowie im belgischen Tierpark Planckendael beobachtet. Sie wiesen unter anderem nach, dass Bonobo-Mütter ihre Jungen mit einem Kopfschütteln zurechtweisen. So spielte ein Jungtier zum Beispiel mit einem Stück Lauch, was seiner Mutter nicht gefiel. Das Junge gehorchte aber nicht. Daraufhin sah ihm die Mutter in die Augen und schüttelte deutlich den Kopf.

Andere neue Forschungsergebnisse wiesen darauf hin, dass Bonobos toleranter und kooperativer seien als andere Menschenaffen - zum Beispiel Schimpansen, Gorillas oder Orang-Utans, schreiben die Wissenschaftler. Bonobos hätten ein ausgeklügeltes und weniger hierarchisches Sozialsystem. Auch Weibchen können Führungsrollen übernehmen. Bonobos verständigten sich auch auf vielfältigere Weise als andere Menschenaffen.

Das Kopfschütteln als Nein-Geste beobachteten sie bei vier erwachsenen Zoo-Tieren. In Freiheit leben Bonobos im Kongo in Afrika, am liebsten im tropischen Regenwald.

Zum Abstract der Originalpublikation "Do bonobos say NO by shaking their head?"

Topics
Schlagworte
Panorama (31096)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Überlebensvorteil bei Übergewicht nur ein Trugschluss?

Übergewicht ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor, doch wer schon eine entsprechende Erkrankung hat, lebt länger. Stimmt dieses "Adipositas-Paradox" vielleicht gar nicht? mehr »

Digitalisierung – Ärzte zwischen Hoffnung und Ernüchterung

Viele Ärzte im Krankenhaus verbinden mit der Digitalisierung die Hoffnung auf Arbeitserleichterungen. Zugleich beklagen sie mangelhafte Vorbereitung und Umsetzung, so eine Umfrage. mehr »

Oh, Britannia! Was hat der "Brexismus" aus dir gemacht?

Von wegen Tea Time, Queen und Linksverkehr: Nicht nur der Blick der Briten auf die EU hat sich geändert. Umgekehrt blicken auch Menschen weit außerhalb Europas inzwischen mit Unverständnis auf die Insel. mehr »