Ärzte Zeitung online, 11.05.2010

"Mengeles Erben": Arte-Film über Menschenexperimente

HAMBURG (dpa). Wer im Krieg ist, wer sich bedroht fühlt oder wer sein Land nach draußen abschottet, greift häufig zu Methoden, die mit den Menschenrechten Jo-Jo spielen. Die Erprobung von Giftstoffen für staatliche Mordaufträge und tödliche Experimente mit Lagerinsassen gehören zum Repertoire diktatorisch geführter Nationen. Nazi-Arzt Josef Mengele ist der bekannteste Vertreter dieser "Wissenschaft ohne Gewissen".

Aber: Gegner und Gefangene für tödliche Versuche zu nutzen, ist keine Erfindung der Nazis. Dieses Phänomen existierte schon vorher und auch hinterher wieder. Über "Mengeles Erben" berichtet die Arte-Dokumentation an diesem Mittwoch (20.15 Uhr).

Beispiel Sowjetunion: Die Geschichte der Menschenversuche im Auftrag des Staates beginnt in den 20er Jahren im "Labor 12" des sowjetischen Geheimdienstes. Dort wurden tödliche Gifte an "Volksfeinden" getestet. Die Existenz dieses Labors wurde nur durch einen Zufall Anfang der 90er Jahre bekannt, denn Russland hält die Akten über Menschenversuche bis heute geheim.

Vom japanischen General Ishii Shiro, der für den Tod von mehr als 300 000 Menschen verantwortlich war, waren US-Militär und -Geheimdienste nicht unbeeindruckt: Von den Ergebnissen echter Menschenexperimente mit Pest, Anthrax und Tularämie, Unterkühlung, Unterdruck und neuartigen Bomben profitierte auch der frühere Feind.

"Mengeles Erben" haben den Zweiten Weltkrieg überlebt, stellt Regisseur Dirk Pohlmann fest, indem sie neuen Herren dienten. Sie waren weiter im Staatsauftrag aktiv. In Nordkorea gibt es nach Zeugenaussagen sogar bis in die Gegenwart Gaskammern, in denen Massenvernichtungsmittel an Häftlingen erprobt werden. Über einige der bisher kaum erforschten systematischen medizinischen Experimente an Menschen berichtet der Dokumentarfilm "weltweit zum ersten Mal im Fernsehen", wie Arte proklamiert.

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