Ärzte Zeitung, 17.05.2010

Innenband
gerissen, Kapitän frustriert - Weltmeisterschaft ohne Michael
Ballack

Innenband gerissen, Kapitän frustriert - Weltmeisterschaft ohne Michael Ballack

Von Christoph Fuhr

Aus und vorbei, ein brutales Foul macht alle Hoffnungen zunichte: Michael Ballack, Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, wird bei der Weltmeisterschaft in Südafrika nicht mit dabei sein.

Der Schock sitzt tief: Michael Ballack vom FC Chelsea London, Kapitän und Schlüsselspieler der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft, wird bei der Fußball-WM in Südafrika nicht dabei sein. Ein brutales Foul des in Diensten des englischen Erstligavereins FC Portsmouth stehenden Deutsch-Ghanaers Kevin Prince Boateng macht alle Hoffnungen zunichte. Fußball-Deutschand ist ratlos und entsetzt.

Die Schreckensmeldung kam heute vom DFB: Bei Ballack ist ein Riss des Innenbandes und ein Teilriss des vorderen Syndesmosebandes des rechten oberen Sprunggelenks festgestellt worden. Der Wiedereinstieg ins Training sei frühestens in acht Wochen möglich.

In 98 Länderspielen hat der aus Görlitz stammende Ballack 42 Tore im Nationalteam gemacht - eine imponierende Quote. Als Antreiber und Ideengeber ist er im deutschen Spiel nur schwer zu ersetzen. "Ballack ist ein hervorragender Spieler, brandgefährlich bei Freistößen und darüber hinaus ein brillanter Kopfballspieler", sagt Adolf Katzenmeier, langjähriger Physiotherapeut der deutschen Nationalmannschaft im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

"Für die Mannschaft muss es ganz klar heißen: Jetzt erst recht! Das Team ist es seinem Kapitän schuldig, eine gute WM zu spielen", machte DFB-Präsident Theo Zwanziger gestern seinen Spielern Mut.

Ballack hat eine lange Verletzungsgeschichte: Im Vorfeld der Fußball-WM 2006 in Deutschland etwa hatte er massive Probleme mit der Wade. Sein Einsatz schien lange Zeit gefährdet. Die "Wade der Nation" beschäftigte wochenlang die Gazetten. Schon damals galt: Nationalmannschaft ohne Ballack? Nicht auszudenken! Als die WM begann, war der heute 33-Jährige wieder fit.

2007, schon in Diensten von Chelsea London, brach sich Ballack in einem Spiel gegen Newcastle den Mittelfuß. Die Verletzung zogt sich hin, es folgte eine Operation, und wieder war die Nation in Aufruhr. Erneut bekam der Kapitän rechtzeitig die Kurve, schaffte den Sprung ins Team.

Bundestrainer Joachim Löw warnt inzwischen, den 21 Jahre alten Jérome Boateng zu kritisieren. Der Halbbruder des Übeltäters gehört zum erweiterten, nach dem Ausfall von Ballack noch 26 Spieler umfassenden WM-Aufgebot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Michael Ballack muss alle seine Hoffnungen begraben. Kevin-Prince Boateng hingegen, der bereits in einer deutschen Juniorenauswahl war, könnte, wenn alles planmäßig läuft, im Trikot der ghanaischen Nationalmannschaft im dritten und letzten Vorrundenspiel gegen Deutschland antreten. Für sein übles Foul an Ballack wurde er nicht einmal mit der roten Karte bestraft. Fußball kann machmal ungerecht sein.

Vier Wochen Gips nach Bänderriss

Beim Kapitän der deutschen Nationalmannschaft wurde am Montag per MRT ein Riss des Innenbandes (Deltaband, Ligamentum collaterale mediale) sowie ein Teilriss des vorderen Syndesmosebandes im Sprunggelenk des rechten Fußes festgestellt. Dies teilte der DFB nach einer Untersuchung in der Praxis des Sportmediziners Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit. Das lädierte Gelenk wird zunächst für vier Wochen mit einem Gipsverband ruhig gestellt. Dann muss der Nationalspieler für zwei weitere Wochen einen Spezialschuh tragen. Erst danach kann das Reha-Programm beginnen.

Solche, doch recht schwer wiegenden Verletzungen des Sprunggelenks können durchaus bei einem kräftigen Tritt gegen den Unterschenkel auftreten, sagte Professor Axel Ekkernkamp, Ärztlicher Direktor am Unfallkrankenhaus Berlin, im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“. Durch einen kräftigen Schlag werden Schien- und Wadenbein auseinander getrieben. Die Folge kann auch eine Plantarflexion sein. Der Fuß wird dabei im Sprunggelenk überstreckt: Die Ferse geht Richtung Gesäß, die Fußspitze Richtung Fußboden. Häufig dreht sich der Fuß dabei, und die Kombination von Drehung und Überstreckung lässt das Innenband mitunter reißen, sagte der Unfallchirurg, der als FIFA-Arzt bei der kommenden Frauen Fußball-WM für Berlin zuständig ist.

Generell wird bei einer Verletzung des vierteiligen Sprunggelenk-Innenbandes jedoch keine Operation empfohlen, es sei denn, es treten Komplikationen auf, etwa, wenn das gerissene Band in einen Gelenkspalt dringt. Dagegen wird bei einer vollständigen Ruptur einer oder beider Syndesmosebänder, die Schien- und Wadenbein knöchelnah zusammenhalten, operiert. „Da ist es besser man fixiert das mit Schrauben oder einem Anker. Schließlich will man vermeiden, dass ich einer der beiden Knochen vertikal verschiebt, oder dass es im Sprunggelenk zu einem Auseinanderdriften der beiden Knochen kommt“, so Ekkernkamp. Bei einem Teilriss der Syndesmose, wenn noch Teile des Bandes vorhanden sind, die halten, genüge es jedoch, das Sprunggelenk ruhigzustellen. „Der Heliungsprozess ist bei einer Op dann nicht schneller“.

Am Unfallkrankenhaus in Berlin wird dazu eine Woche lang ein gespaltener Unterschenkelgips angelegt, anschließen kann auf leichtere Verbände sowie Orthesen oder Schienen umgestellt werden. Insgesamt muss das Sprunggelenk nach solchen Verletzungen jedoch etwa sechs Wochen lang völlig ruhig gestellt werden.  (mut)

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