Ärzte Zeitung, 24.05.2010

Kommentar

Kein Stoff für Horrorszenarien

Von Peter Leiner

Die technische Meisterleistung des US-Genforschers Dr. Craig Venter hat die Gentechnik weit vorangebracht, weil jetzt erstmals belegt ist, dass sich auch große Erbgutmoleküle mit über einer Million Bausteinen verändern und in andere Zellen übertragen lassen - auch wenn etwa bis zur Herstellung von Arzneimitteln oder Biosprit mit Hilfe veränderter DNA noch Jahrzehnte vergehen werden. Mit seinem Erfolg hat der Forscher aber noch etwas anderes erreicht, nämlich die Diskussion über die Definition von Leben erneut angestoßen.

Eines ist klar: Was Venter und seine Kollegen jetzt zu Pfingsten der Öffentlichkeit bekannt gegeben haben, ist auf keinen Fall künstliches Leben. Denn die Forscher haben sich nur der Elemente aus dem Baukasten der belebten Natur bedient und Vorhandenes streng nach dem zuvor entschlüsselten Bauplan zusammengesetzt. Wenn sie in weiteren Experimenten Erbgut synthetisch herstellen, darin gezielt Veränderungen vornehmen und in existierende Organismen einfügen, entstehen neue Organismen, die vorher nicht existierten. Das geschieht aber auch schon jetzt etwa mit der Schaffung gentechnisch veränderter Bakterien oder Viren. Für Horrorszenarien reichen die neuen Forschungsergebnisse nicht.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Künstlich synthetisiertes Bakteriengenom ist ein Meilenstein der Gentechnik

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »