Ärzte Zeitung online, 26.05.2010

Kritik nach Suiziden bei Elektro-Riesen

PEKING (dpa). Nach der Serie von Suiziden beim weltweit größten Elektronik-Hersteller Foxconn wächst die Kritik an dem taiwanesischen Unternehmen. Die chinesische Regierung hob am Mittwoch die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter hervor und unterstrich die Bedeutung der Ermittlungen.

Firmen aus Taiwan seien in China willkommen, sagte Yang Yi, Sprecher des Taiwanbüros des Staatsrates in Peking, fügte aber hinzu: "Wir hoffen auch, dass die Arbeitgeber sich um ihre Beschäftigten kümmern."

Erst am Dienstag hatte sich wieder ein Mitarbeiter von einem Dach des Werkes im südchinesischen Shenzhen in den Tod gestürzt. Es war der neunte Todesfall und elfte Sturz dieser Art in der Fabrik in diesem Jahr. Zwei Mitarbeiter wurden bei versuchten Selbsttötungen schwer verletzt. Die Suizide haben eine heftige Diskussion über die Arbeitsbedingungen und den als "militärisch" beschriebenen Management-Stil bei Foxconn ausgelöst.

"Foxconn mag kein Ausbeuterbetrieb in dem Sinne sein, dass er seine Beschäftigten körperlich missbraucht oder sie zwingt, Überstunden zu machen", kommentierte die "China Daily". "Aber das bedeutet weder, dass sie ausreichend menschliche Fürsorge für ihre Beschäftigten zeigen noch impliziert es, dass sie genug tun, um eine Unternehmenskultur zu pflegen, die den Beschäftigten hilft, ein gesünderes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben zu finden."

Apple und Hewlett-Packard, die wie andere Weltkonzerne bei Foxconn ihre Produkte fertigen lassen, haben nach Presseberichten ihre eigenen Untersuchungen der Arbeitsbedingungen eingeleitet. Einige Arbeiteraktivisten in Hongkong haben bereits zum Boykott des neuen iPhones aufgerufen, das bei dem Unternehmen hergestellt wird.

Terry Kuo, der Chef der Hon-Hai-Gruppe, zu der Foxconn gehört, besuchte am Mittwoch mit einer Gruppe von taiwanesischen Reportern das Werk in Shenzhen, um ihnen die Arbeitsbedingungen zu zeigen. In der Fabrik arbeiten mehr als 300 000 Menschen. Viele leben isoliert auf dem Werksgelände, das wie eine kleine Stadt ist.

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