Ärzte Zeitung online, 31.05.2010

Angriff auf Hilfsflotte: Deutscher Arzt unter den Passagieren

BERLIN (bee/nös/dpa). Auf dem von der israelischen Armee gestürmten Schiff der internationalen "Gaza-Solidaritätsflotte" halten sich auch Deutsche auf. Darunter befindet sich nach Angaben der Hilfsorganisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs) auch der Frankfurter Allgemeinarzt und Psychotherapeut Matthias Jochheim.

Angriff auf Hilfsflotte: Deutscher Arzt unter den Passagieren

Ein israelischer Soldat auf dem Armeestützpunkt in Ashdod schaut auf eines der Schiffe der "Solidaritätsflotte".

© dpa

Jochheim ist stellvertretender Vorsitzender der Ärzteorganisation IPPNW. Ebenso sind zwei Bundestagsabgeordnete der Linkspartei an Bord des Schiffes, sowie der emeritierte Völkerrechtler Professor Norman Paech, der in der vergangenen Wahlperiode für die Linkspartei im Bundestag saß.

IPPNW-Sprecherin Angelika Wilmen sagte der "Ärzte Zeitung", der Kontakt zu den Deutschen sei abgerissen. Zum Zeitpunkt des Angriffs haben sie sich auf dem türkischen Passagierschiff "Marmara" befunden. Das Schiff stand nach Medienberichten im Zentrum es Angriffs. Es ist eines von insgesamt acht Schiffen der "Solidaritätsflotte".

An der Solidaritätsmission sind offiziellen Angaben zufolge 700 Aktivisten beteiligt, 570 befanden sich auf der "Marmara". Mit der Aktion sollen Hilfsgüter, darunter Medikamente und medizinische Ausrüstung, in den von Israel abgeriegelten Gaza-Streifen gebracht werden.

"Gestern gegen 17 Uhr hatten wir zu Jochheim und Norman Paech den letzten E-Mail-Kontakt", sagte Wilmen der "Ärzte Zeitung". Über den Zustand der sechs Deutschen an Bord machte das Auswärtige Amt bislang keine Angaben.

"Wir hoffen, dass Matthias Jochheim und Norman Paech während des Angriffes schliefen und nicht in der Schusslinie standen, sicher sein können wir uns natürlich nicht", so Wilmen zur "Ärzte Zeitung". Die Linkspartei hatte zu ihren beiden Abgeordneten Inge Höger und Annette Groth am Sonntag gegen 23 Uhr die letzte E-Mail erhalten. Auch der "Deutsche Kooperationskreis Palästina Israel" (KOPI) bestätigt, dass bislang kein Kontakt zu den Passagieren besteht. Das israelische Militär hat zudem eine Nachrichtensperre verhängt.

Nach Angaben der Hilfsorganisation "Free Gaza" wurden einige der Schiffe mittlerweile in den Hafen von Ashdod am Mittelmeer gebracht. Die "Marmara" soll sich allerdings noch auf See befinden, rund 100 Personen befänden sich noch an Bord. Verletzte sollen an Land gebracht worden sein.

Unterdessen berichtet der arabische Fernsehsender al-Jazeera, bei dem Gefecht seien 19 Passagiere ums Leben gekommen. Mehrere Dutzend sollen verwundet worden sein, darunter auch drei Europäer. Ihre Nationalität ist bislang unklar.

Israelische Soldaten hatten am frühen Montagmorgen gewaltsam mehrere Schiffe der Hilfsflotte aufgebracht. Medienberichten zufolge soll die Attacke 65 Kilometer vor der israelischen Küste in internationalen Gewässern stattgefunden haben.

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