Ärzte Zeitung online, 01.06.2010

Deutscher Arzt von IPPNW wieder frei

BERLIN (bee/sun/nös). Der deutsche Arzt Matthias Jochheim ist wieder in Deutschland. Er war am Montag als einer von hunderten Aktivisten der "Gaza-Solidaritätsflotte" von israelischen Soldaten im Mittelmeer festgesetzt worden.

Deutscher Arzt von IPPNW wieder frei

Seit Dienstag wieder in Deutschland: Der Frankfurter Allgemeinmediziner Matthias Jochheim, der mit vier Kollegen von IPPNW an Bord der "Mavi Marmara" war.

© IPPNW

Mit ihm sind vier weitere Deutsche am Dienstag um 9.44 Uhr am Flughafen Schönefeld in Berlin gelandet, teilte die Organisation "Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges" (IPPNW) in Berlin mit.

Jochheim ist stellvertretender Vorsitzender der deutschen Sektion von IPPNW. Im Rahmen der Hilfsmission war auf einem Schiff im Lazarett-Dienst eingeteilt, teilte Jan van Aken, Bundestagsabgeordneter der Linken, der "Ärzte Zeitung" mit.

"Die Situation an Bord war sehr dramatisch", sagte Jochheim im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Im Lazarett habe er vier Tote sowie etliche Schwerverletzte mit Schusswunden gesehen. Es seien sofort Gruppen gebildet worden, um den Verletzten zu helfen.

Unter den am Dienstag zurückgekehrten Deutschen befinden sich auch drei Politiker der Partei "Die Linke", darunter die zwei Bundestagsabgeordneten Inge Höger und Annette Groth und der emeritierte Völkerrechtler Professor Norman Paech.

Im Rahmen der "Gaza-Solidaritätsflotte" wollten insgesamt rund 700 Aktivisten Hilfsgüter in den von Israel abgeriegelten Gaza-Streifen bringen. Dazu sollen nach Angaben der Hilfsorganisation "Free Gaza" vor allem medizinische Hilfsgüter und Medikamente gehört haben.

Am Montagmorgen wurde die Flotte von der israelischen Marine in internationalen Gewässern, rund 65 Kilometer vor der Küste, gestoppt. Bei einem Feuergefecht auf dem türkischen Schiff "Mavi Marmara", auf dem auch die Deutschen stationiert waren, sollen mindestens neun Menschen ums Leben gekommen sein. Dutzende sollen verletzt worden sein. Der arabische Fernsehsender al-Jazeera spricht entgegen offizieller Angaben von 19 Toten.

Israelische Medien berichteten am Dienstag, dass knapp 500 der Aktivisten inhaftiert worden sein sollen. Sie sollen in der Nacht zu Dienstag nach Beerscheva in der Negev-Wüste gebracht worden seien. Die Ladung und die Schiffe sind momentan noch beschlagnahmt.

Auch der schwedische Bestseller-Autor Henning Mankell befand sich auf einem der Schiffe und zeitweise in israelischem Gewahrsam. Er soll sich mittlerweile auf dem Rückflug nach Schweden befinden und dort am Abend eintreffen.

Topics
Schlagworte
Panorama (30674)
Organisationen
IPPNW (128)
Krankheiten
Kontrazeption (996)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »