Ärzte Zeitung online, 02.06.2010

Neuer Anlauf gegen Ölpest - Justiz ermittelt - Hilfe gesucht

GRAND ISLE/ WASHINGTON (dpa). Nach diversen Fehlschlägen unternimmt BP einen neuen Anlauf, die Ölpest vor der US-Küste in den Griff zu bekommen. Allerdings ist das Vorgehen nicht ohne Risiko: Da das defekte Steigrohr in 1500 Meter Tiefe dabei abgesägt wird, droht zeitweise wesentlich mehr Öl als bisher in den Golf von Mexiko zu fließen.

Nach US-Medienberichten erreichte die Ölpest am Dienstag (Ortszeit) auch die Bundesstaaten Mississippi und Alabama. Dort seien erste Teerklumpen an Land gespült worden. Bisher war die Katastrophe auf die Küsten Louisianas beschränkt.

BP-Ingenieure hätten am Dienstag mit dem Absägen begonnen, sagte der Einsatzleiter der US-Regierung, Thad Allen. Anschließend soll ein Auffangbehälter über der Öffnung platziert und das Öl auf ein Schiff abgeleitet werden. Alle Arbeiten werden in 1500 Meter von Robotern durchgeführt. Ob die Aktion zum Erfolg führt, könne man erst in einigen Tagen sehen.

Experten warnen, die auslaufende Ölmenge könnte zeitweise um 20 Prozent zunehmen. Selbst BP geht davon aus, dass mit dieser Methode nicht alles ausströmende Öl aufgefangen werden kann.   Sechs Wochen nach dem Unfall der Bohrinsel "Deepwater Horizon" bemüht sich die US-Regierung um ausländische Hilfe. Man denke dabei an Unterstützung aus Ländern wie die Niederlande, Kanada und Mexiko, sagte Allen. Es gehe um Hilfen, wie das Ölleck in der jetzt beginnenden Hurrikansaison geschlossen werden kann.

Unterdessen zeichnet sich ein juristisches Nachspiel ab. Präsident Barack Obama droht, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. "Wenn unsere Gesetze gebrochen wurden, und dies zu Tod und Zerstörung führt, dann verspreche ich, dass wir die Verantwortlichen vor Gericht bringen."

Justizminister Eric Holder machte klar, dass seine Behörden bereits ermitteln. "Wir werden das Handeln derjenigen, die mit dem ausfließenden Öl zu tun haben, genau untersuchen", sagte er nach Gesprächen mit lokalen Staatsanwälten in New Orleans. "Falls wir Hinweise illegalen Verhaltens finden, werden wir energisch reagieren." Als einer der Hauptverantwortlichen gilt der britische BP-Konzern.

Angesichts dieser Entwicklung gerät BP auch ökonomisch erheblich unter Druck. BP-Aktien fielen an der Londoner Börse am Dienstag zum Teil bis zu 15 Prozent, der Unternehmenswert sank zeitweise um 18 Milliarden Euro.  

Website der am Einsatz beteiligten US-Behörden und Unternehmen

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