Ärzte Zeitung online, 03.06.2010

Neuer Rückschlag im Kampf gegen Ölpest

WASHINGTON (dpa). BP hat im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko erneut einen Dämpfer erlitten. Der Konzern musste seinen neuesten Versuch, das ausströmende Öl einzudämmen, am Mittwoch wegen einer eingeklemmten Säge unterbrechen, sagte der Einsatzchef der US-Regierung, Admiral Thad Allen.

Nach mehreren gescheiterten Anläufen, das Öl zu stoppen, bemüht sich BP seit Dienstag, das aufgerissene Steigrohr in 1500 Metern Meerestiefe aufzutrennen, um einen Auffangtrichter anzuschließen. Dabei blieb die Hightech-Säge auf halbem Wege stecken.

Das Werkzeug konnte zwar nach rund 12 Stunden befreit werden. Allerdings habe BP die Arbeiten nicht wieder aufgenommen, weil die Diamantsägeblätter zu stumpf für das massive Rohr zur Ölquelle seien, berichtete die "New York Times". Der Zeitung zufolge sollen nun ersatzweise 30 Zentimeter lange Scherenmesser zum Einsatz kommen, die sich an anderer Stelle des Rohr als erfolgreich erwiesen hätten.

Wann der Versuch fortgesetzt werden kann, ist unklar. In der Zwischenzeit sprudeln weiter tausende Tonnen Rohöl pro Tag ins mehr. Durch die aktuelle Operation könnte sich die Menge laut Experten zeitweise sogar um 20 Prozent erhöhen. Zum Stillstand gebracht werden kann der Ölfluss laut BP erst im August, wenn zwei Parallelbohrungen zum Grund der Quelle vier Kilometer unter dem Meeresboden abgeschlossen sind. Die größte Ölkatastrophe in der US-Geschichte nimmt ihren Lauf, seit vor mehr als sechs Wochen die Bohrinsel "Deepwater Horizon" nach einer Explosion versank.

Am Mittwoch näherte sich das Öl bis auf zehn Kilometern den weißen Stränden Floridas. Den Touristenort Pensacola wird es nach aktuellen Vorhersagen am Freitag erreichen, sofern es nicht aufgehalten werden kann, berichten US-Medien. Es seien zahlreiche Helfer an die Küsten des Sonnenscheinstaates geschickt wurden, um Öl-Barrieren auf dem Meer auszulegen. In Alabama seien bereits Ölklumpen an der Küste gefunden worden und auch den Bundesstaat Mississippi bedroht die Ölpest unmittelbar.

Bisher war die Öl-Katastrophe auf Louisiana beschränkt: Dort sind über 200 Kilometer Küste verseucht. Die US-Regierung habe dem Staat jetzt erlaubt, kilometerlange Sandbänke im Wasser aufzuschütten, um den Ölteppich vom Land fernzuhalten, sagte Gouverneur Bobby Jindal. Das Weiße Haus habe BP aufgefordert, die Kosten für diesen Versuch zu übernehmen, der von Umweltschützern skeptisch gesehen wird. Sie verweisen auf die unbekannten langfristigen Wirkungen für die Umwelt.

Website der am Einsatz beteiligten US-Behörden und Unternehmen

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