Ärzte Zeitung online, 06.07.2010

Von Hirschhausen lässt den Humor in die Wissenschaft einziehen

Dr. Eckart von Hirschhausen ist Arzt, Kabarettist und Dozent. Seit drei Jahren unterrichtet er an der Universität Gießen am Institut für die Geschichte der Medizin und gibt den angehenden Ärzten nicht nur Fachwissen, sondern auch Lebensweisheiten mit auf den Weg.

Von Hirschhausen lässt den Humor in die Wissenschaft einziehen

Dr. Eckart von Hirschhausen.

© Herbert Management

GIEßEN (mn). So viel gelacht wird in einer Medizinvorlesung sonst nicht, doch wenn der Arzt und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen der Dozent ist, dann zieht der Humor auch in die Wissenschaft ein.

Bereits zum dritten Mal hält von Hirschhausen als Gastdozent an der Universität Gießen eine Vorlesung zum Thema: "Arzt - Deutsch, Deutsch - Arzt: Warum Worte Medizin sind". Dafür hat er sogar extra seine Tour unterbrochen.

Die Vorlesung ist ein freiwilliges Zusatzangebot für die Studenten zum Kurs "Medizinische Terminologie", die im ersten Semester Medizin zu einer der Pflichtveranstaltungen gehört. Der Hörsaal ist voll, knapp 350 Studenten sind gespannt auf die Vorlesung ihres berühmten Gastdozenten.

Hirschhausen macht gleich zu beginn die Studenten darauf aufmerksam, dass die Sprache das wichtigste Instrument des Arztes für die Diagnostik ist. Dies erkenne man auch daran, dass die Zahl der falschen Diagnosen trotz modernster Technik nicht zurückgegangen ist - deswegen seien kluge Fragen und eine einfühlsame Gesprächsführung besonders wichtig für den Arzt.

Kommunikation führt ständig zu Missverständnissen und auch zu Fehlern, sagt Hirschhausen. Und das nicht nur zwischen Arzt und Patient, sondern auch zwischen den Ärzten. Dazu trage auch die Hierarchie bei, die in den Kliniken herrscht. "Studenten kommen in der Klinik an letzter Stelle der Hierarchie", sagt er den angehenden Ärzten. "Trotz allem solltet ihr Mut haben, euch auch gegen die Hierarchie zu stellen und nachzufragen, denn Kommunikation kann immer schiefgehen", gibt der approbierte Arzt seinen Studenten mit auf den Weg.

Um die Feinheiten in der Kommunikation besser zu verstehen, sollen die Studenten auch gleich ein paar praktische Übungen mit ihren Sitznachbarn machen. Zum Beispiel: Wie irritiert man sein Gegenüber? Oder: Wie bringt man jemanden dazu, dass er einem etwas erzählt? Irritierend ist immer, wenn man keinen Blickkontakt mit seinem Gesprächspartner hält, stellen die Studenten fest.

Neben der Sprache in der Medizin ist Hirschhausen aber auch wichtig, den angehenden Kollegen Botschaften mit auf den Weg zu geben, die sie während ihres Studiums und darüber hinaus begleiten sollen: "Seid neugierig!" "Steht zu euren Schwächen!" "Sorgt auch für euch selbst gut!" "Pflegt die Freundschaft zu Nicht-Medizinern!"

"Ich will mein Wissen mit anderen teilen", sagt Hirschhausen und nennt damit auch gleich einen Grund, warum er den Lehrauftrag der Uni Gießen angenommen hat. Am Ende seiner Vorlesung macht Hirschhausen auf seine Stiftung "Humor hilft Heilen" aufmerksam, die Clowns ins Krankenhaus bringt.

Auch den Studenten möchte er mit auf den Weg geben, dass Lachen gesund ist: "Lachen verändert unsere Stimmung und hilft Schmerzen zu lindern." Er ist überzeugt, dass Humor die Medizin des 21. Jahrhunderts ist und als Regelleistung eingeführt werden müsste. "Andere Länder haben das schon erkannt, beispielsweise haben in Holland die Kliniken einen fest angestellten Clown", sagt er.

"Von Hirschhausen hat nur bei uns in Gießen einen Lehrauftrag unterschrieben - verzichtet aber auf sein Honorar, da ihm sein Anliegen wichtig ist," sagt Dr. Michael Knipper vom Institut für die Geschichte der Medizin. Knipper hatte den Kabarettisten vor drei Jahren angeschrieben und gefragt, ob er Lust hätte eine Vorlesung vor Studenten zu halten. Hirschhausen war von der Idee begeistert und sagte zu. Seitdem ist er neben Arzt und Kabarettist auch noch Dozent.

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