Ärzte Zeitung online, 11.06.2010

BfR: "Nanosilber gehört nicht in Lebensmittel, Textilien und Kosmetika"

BERLIN (eb). Neuerdings werden Silberpartikel in Nanogröße für verbrauchernahen Produkte verarbeitet. "Solange wir mögliche gesundheitliche Risiken nicht sicher ausschließen können, empfehlen wir Herstellern, auf Nanosilber in verbrauchernahen Produkten zu verzichten", sagt Professor Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Bei der Empfehlung des BfR geht es nicht um Silber und Silberverbindungen, die Silberionen freisetzen und so das Wachstum von Keimen hemmen können. Solche Verbindungen werden seit Langem zum Beispiel in kosmetischen Mitteln, Textilien und in Haushaltsgeräten verwendet. Außerdem ist Silber als Farbstoff für Lebensmittel (E174) zugelassen.

Die Stellungnahme der BfR bezieht sich auf Silber in Form von Nanopartikeln. Das sind Teilchen mit einem Durchmesser weniger als 100 Nanometern, die andere physikalische Eigenschaften haben als größere Teilchen des gleichen Stoffes. Diese besonderen Eigenschaften machen sie für unterschiedliche Einsatzbereiche interessant.

So sollen zum Beispiel die mit Nanosilber beschichteten Oberflächen in Kühlschränken das Wachstum von Keimen verhindern, und in Sportsocken soll es die Geruchsbildung vermeiden. Ob von Nanosilber ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher ausgeht, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen.

Das BfR sieht Forschungsbedarf zur Klärung grundlegender Fragen im Zusammenhang mit der Verwendung von nanoskaligem Silber als antimikrobiell wirkendes Material: In welchem Maße kommen Verbraucher mit den nanoskaligen Silberteilchen in Kontakt? Was bewirkt Nanosilber im Menschen, und wie groß ist die Gefahr der Resistenzentwicklung?

Auf die Verwendung von nanoskaligem Silber in verbrauchernahen Produkten empfiehlt das BfR bis zum Vorliegen einer abschließenden Sicherheitsbewertung ganz zu verzichten. In Lebensmitteln sind nanoskalige Zusatzstoffe ohnehin zulassungspflichtig. Nanosilber ist in Lebensmitteln nicht zugelassen. Dies begrüßt das BfR vor dem Hintergrund der offenen Fragen zur Risikoeinschätzung.

Zur Stellungnahme des BfR

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