Ärzte Zeitung online, 08.07.2010

Novartis ruft bundesweite Initiative für Geschwisterkinder ins Leben

Sie stehen oft im Abseits: Geschwister chronisch kranker oder behinderter Kinder werden häufig vernachlässigt, spezielle Hilfsangebote für diese Kinder sind schwer zu finden. Die Initiative "FamilienBande" setzt sich für die Geschwisterkinder ein und ermöglicht ihnen einen Zugang zu bedarfsgerechten Hilfsangeboten.

Novartis ruft bundesweite Initiative für Geschwisterkinder ins Leben

Geschwisterkinder: Wird eines von beiden krank, leidet das andere oft mit.

© Papirazzi / fotolia.com

FRANKFURT / MAIN (mn). In Deutschland wachsen zwischen zwei und vier Millionen Kinder mit einem chronisch kranken oder behinderten Geschwisterkind auf. Die Belastung in diesen Familien ist häufig hoch und kann sich auf die Entwicklung der gesunden Geschwister auswirken. Jedoch wird die Problematik von Geschwisterkindern in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

Aus diesem Grund hat die Novartis-Gruppe Deutschland mit Wissenschaftlern und Partnern aus den Bereichen Gesundheit, Soziales und Familie die "FamilienBande - Gemeinsam für Geschwister" ins Leben gerufen. Die bundesweite Initiative setzt sich für die Bedürfnisse der gesunden Geschwister von chronisch kranken oder behinderten Kinder ein.

Eine Umfrage unter Pädiatern und Allgemeinmedizinern hatte jüngst ergeben, dass in der Praxis das Thema Geschwisterkinder bei 93 Prozent der Kinderärzte und 40 Prozent der Allgemeinärzte präsent ist, so Waltraud Baur, Projektleiterin des beta-Instituts in Augsburg, das die Umfrage durchführte. Konkrete Hilfsangebote für betroffene Familien sind aber den meisten Ärzten unbekannt.

"Das Ziel von FamilienBande ist, dass Geschwister, die Hilfe benötigen, einen Zugang zu bedarfsgerechten und niedrigschwelligen Angeboten bekommen", sagt Dr. Dirk Kosche, Vorsitzender der Geschäftsführung der Novartis-Gruppe Deutschland. Die Initiative "FamilienBande" soll Sensibilität für Geschwisterkinder unter Pädiatern, Allgemeinärzten und der Öffentlichkeit schaffen und die schon bestehenden Projekte besser miteinander vernetzen.

Ein erstes praktisches Angebot für Ärzte ist die Infoline, ein telefonischer Fachinformationsdienst. Die qualifizierten Mitarbeiter am Telefon beraten Ärzte zu Kindern mit chronisch kranken und behinderten Geschwistern. Sie geben Auskunft über lokale Einrichtungen und Projekte, an die sich betroffene Eltern wenden können oder geben kindgerechte Informationen und Literatur weiter.

Dem folgen soll im nächsten Jahr der Fragebogen LARES (der Name steht für den römischen Familien-Schutzgott), ein Instrument, das vom Institut für Gesundheitsförderung und Versorgungsforschung gGmbH (IGV) in Bochum zur Früherkennung des Hilfebedarfs von Geschwisterkindern entwickelt wurde. Mit speziellen Fragen für Kinder und Eltern sollen der Belastungsgrad und der Bedarf an Hilfe ermittelt werden. "Nicht jedes Kind ist versorgungsbedürftig", betont Dr. Michael Kusch vom IGV. Nur wenige Kinder gelten als emotional auffällig und brauchen psychologische Betreuung.

Ein großer Teil der Geschwisterkinder benötige einfach eine besondere Hilfe im Umgang mit der Krankheit des Geschwisterkindes, im familiären Zusammenleben oder etwa in der Schule und Freizeit. "Oft reichen Gespräche mit ebenfalls Betroffenen, mit Eltern, Ärzten oder anderen professionellen Helfern", so Kusch. Es gebe aber auch durchaus positive Entwicklungen bei Geschwistern von chronisch kranken oder behinderten Kindern: Geschwisterkinder sind oft früh selbstständig und übernehmen Verantwortung, sagt Kusch.

Infoline "FamilienBande" für Ärzte, Tel.: 01805 322633, www.initiative-familienbande.de

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