Ärzte Zeitung online, 25.06.2010

Studie: Viele Ostdeutsche mit positivem DDR-Bild

BERLIN (dpa). Weniger als die Hälfte der ostdeutschen Bevölkerung verbindet das persönliche Bild vom Leben in der DDR in erster Linie mit der SED-Diktatur. Nur jeder vierte Teilnehmer (25 Prozent) einer repräsentativen Studie beurteilte die Bespitzelung vieler Bürger durch die Staatssicherheit als "in hohem Maße" prägend.

42 Prozent der Ostdeutschen sehen sich durch die Unterdrückung der Einheitspartei geprägt, ergab die am Donnerstag vorgestellte Untersuchung. Dagegen verknüpfen knapp sieben von zehn Befragten (69 Prozent) ihren Blick auf die DDR vor allem mit der Berufstätigkeit der Frau.

Insgesamt malen die 40- bis 59-Jährigen deutlich häufiger ein positives DDR-Bild als die Jüngeren. Die Studie wurde vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg im Auftrag der Bundestagsfraktion der Linkspartei erarbeitet.

"Die Einschätzungen hängen meines Erachtens sehr davon ab, wie der Einzelne jetzt lebt", sagte Linkspartei-Chefin Gesine Lötzsch. Heutige Arbeitslose hätten ein anderes Bild von der DDR als solche, die ihre berufliche Laufbahn nach der Wende weiter hätten vorantreiben können. "Menschen, die die DDR mit aufgebaut haben, haben einen anderen Zugang zu dieser Frage", erklärte der verantwortliche Wissenschaftler Reinhard Liebscher.

Als überaus bedeutend werden im Rückblick auch die zehnklassige Schulbildung (68 Prozent), Vollbeschäftigung (66) und die "soziale Sicherheit" (62) bewertet. Mit steigendem Haushaltseinkommen sei zudem die häufigere Einbeziehung negativer Indikatoren wie SED-Diktatur, staatliche Bevormundung oder Städteverfall gestiegen, hieß es.

Die Untersuchung erfasste insgesamt 1059 Bürger ab dem 18. Lebensjahr in den neuen Bundesländern einschließlich Berlin-Ost. Der Befragungszeitraum war März/April 2010. Die Befragung erfolgte postalisch und anonym. Die Studie ist repräsentativ für Ostdeutschland.

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