Ärzte Zeitung online, 20.08.2010

Sechs Ratschläge helfen gegen den Plötzlichen Kindstod

Die Ursachen von plötzlichem Kindstod (SIDS) sind zwar immer noch nicht geklärt, aber es kommen dabei immer mehrere Belastungen des Kindes zusammen. Durch Beachtung von Stressfaktoren lässt sich das SIDS-Risiko eines Babys radikal vermindern!

Von Lajos Schöne

Sechs Ratschläge helfen gegen den Plötzlichen Kindstod

Einfache Maßnahmen schützen den Säugling vor SIDS.

© Milen Lesemann / fotolia.com

Vom plötzlichen Kindstod (SIDS) spricht man, wenn ein anscheinend gesundes Kind im ersten Lebenshalbjahr stirbt, und zwar meist im Schlaf oder in Einschlaf- oder Aufwachphasen. Auch nach einer gründlichen Untersuchung lässt sich bei SIDS keine eindeutige Todesursache feststellen. Da die meisten Babys heute gesund heranwachsen, ist SIDS in Deutschland zur häufigsten Todesart bei Babys im ersten Lebensjahr geworden, berichtet die Stiftung Kindergesundheit.

Nach dem ‚Triple-Risk Model‘ treten bei SIDS drei Bedingungen gleichzeitig auf, sagt Professor Berthold Koletzko, der Vorsitzende der Stiftung: "Das Kind befindet sich in einem empfindlichen und verwundbaren Entwicklungsstadium seines Nerven- und Immunsystems, es liegen bestimmte genetische Strukturvarianten (Polymorphismen) im Stoffwechsel von Serotonin vor, und es kommen Stressfaktoren von außen hinzu, wie falsche Schlaflage, Überwärmung, Infektionen oder eine Belastung durch rauchende Eltern".

Die gute Nachricht ist: Allein durch Beachtung solcher Stressfaktoren lässt sich das Risiko des Babys radikal vermindern! Gab es 1998 in Deutschland noch 602 Todesfälle durch SIDS, wurden im Jahr 2008 nur noch 215 Fälle gezählt. Damit sank die Häufigkeit binnen zehn Jahren von 0,79 pro 1 000 Lebendgeborene auf 0,31 pro 1 000 Babys, also um mehr als die Hälfte! Dieser Erfolg wurde allein durch die Aufklärung junger Eltern erzielt.

Die sechs Punkte der Empfehlungen gegen SIDS lauten:
• Schlafposition in Rückenlage;
• Verwendung von Babyschlafsäckchen;
• Schlafen im eigenen Bettchen im Elternschlafzimmer;
• Schutz vor Überwärmung;
• Rauchfreie Wohnung und
• Stillen.

Dr. Uta Nennstiel-Ratzel und ihre Kollegen vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit haben Ergebnisse einer Präventionskampagne dazu ausgewertet (Gesundheitswesen 2009; 71: A152). Die Bilanz ist noch durchwachsen: Nur 14 Prozent alle Eltern befolgten alle sechs Empfehlungen: Nur 59 Prozent der Babys schliefen im eigenen Bett im Elternzimmer, knapp 8 Prozent schliefen im Bett der Eltern und 21 Prozent allein im Kinderzimmer. Jedes vierte Baby lebte in einem Raucherhaushalt.

Das Beispiel der Niederlande zeigt, was durch nachdrückliche Beratung erreicht werden kann, berichtet der Kinderarzt. Dort hat man schon früh die Empfehlungen in Massenmedien propagiert.

Das Ergebnis war bemerkenswert: 1984 starben dort noch 1,22 von 1 000 Babys an SIDS. Seither ging die Zahl plötzlich verstorbener holländischer Säuglinge kontinuierlich zurück: 2006 gab es nur noch 0,059 SIDS-Fälle pro 1000 Lebendgeborene - die niedrigste Anzahl in der westlichen Welt. Seitdem stieg die Anzahl der Fälle sowohl in 2007 als auch in 2008 wieder geringfügig an auf 0,077 beziehungsweise 0,098 Promille.

Außer der Bauchlage ist derzeit das Rauchen noch das wichtigste vermeidbare Risiko für den Plötzlichen Kindstod, betont die Stiftung. Nach ihren Angaben rauchen in Deutschland immer noch über 20 Prozent aller Frauen auch während der Schwangerschaft weiter. Bei bis zu zehn Zigaretten am Tag erhöht sich das SIDS-Risiko für das Baby um das Dreifache, bei mehr als 20 Zigaretten sogar um das Neunfache. Würden alle schwangeren Mütter (und ihre Partner!) auf das Rauchen verzichten, könnte die Sterblichkeit an SIDS in Deutschland um weitere 30 Prozent reduziert werden!

Eltern sollten außerdem wissen: Impfungen sind kein Risiko für den plötzlichen Säuglingstod im Gegenteil: Durch Impfungen wird das Risiko für das Baby deutlich vermindert.

Mehr Informationen und Hilfen:
www.kindergesundheit.de,
www.lgl.bayern.de/gesundheit/sids_ploetzlicher_kindstod.htm
www.geps-online.de
www.wiegedood.nl/sicher-schlafen

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