Ärzte Zeitung online, 29.07.2010

Bundesamt: In Deutschland wird zu oft geröntgt

SALZGITTER (dpa). Patienten in Deutschland werden nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) im internationalen Vergleich zu oft geröntgt. Die Strahlenbelastung pro Untersuchung sei zwar zurückgegangen und solle weiter gesenkt werden, jedoch gebe es noch zu viele unnötige Untersuchungen, sagte BfA-Sprecherin Anja Schulte-Lutz am Donnerstag.

Bundesamt: In Deutschland wird zu oft geröntgt

Das BfS rügt die zunehmende Zahl an CT-Untersuchungen pro Jahr.

© Potis / fotolia.com

Vor allem die Zahl der besonders belastenden Computertomografien (CT) sei rasant nach oben gegangen. "Es wird nicht genug hinterfragt: Ist das wirklich notwendig? Gibt es auch alternative Untersuchungsmethoden?", meinte Schulte-Lutz.

In Deutschland wurden 2008 laut Statistik auf 1000 Menschen 130 CT-Untersuchungen vorgenommen, 2006 waren es noch 110. In fast allen anderen europäischen Ländern werde die Untersuchung seltener vorgenommen, erklärte sie. Aktuelle Zahlen aus den Nachbarländern liegen dem BfS nach Angaben der Sprecherin aber nicht vor, weil diese Daten dort nicht so oft erfasst werden. In den USA und Japan wird den Angaben zufolge jedoch noch mehr geröntgt als in der Bundesrepublik.

"Vor allem weil die CT-Untersuchungen zunehmen, ist das Strahlenrisiko der Patienten insgesamt höher", sagte Schulte-Lutz. Bei der einzelnen Untersuchung aber ging es seit 2003 im Schnitt um 30 bis 50 Prozent zurück - egal ob bei der Computertomografie oder der herkömmlichen Röntgenuntersuchung.

Das Personal sei inzwischen besser geschult und könne mit weniger Strahlenbelastung gute Aufnahmen selbst mit älteren Geräten machen, begründete Schulte-Lutz diesen Trend. Das BfS habe deshalb den diagnostischen Referenzwert um ebenfalls 30 bis 50 Prozent gesenkt. Er legt die Strahlendosis fest, die für eine bestimmte Röntgenuntersuchung im Durchschnitt nicht überschritten werden soll.

Da Röntgenstrahlen für die Gesundheit aber immer eine Belastung seien, müsse noch härter daran gearbeitet werden, den Referenzwert weiter zu verringern, betonte die Sprecherin. Kliniken und Praxen, deren Strahlendosis höher ist, sollen von den zuständigen Ärztlichen Stellen Hilfen angeboten bekommen. Sie machten Vorschläge, wie die Strahlenbelastung noch weiter reduziert werden könne, erklärte Schulte-Lutz. "Das ist das Ziel, auf das alle hinarbeiten."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »