Ärzte Zeitung online, 02.08.2010
 

Bundesinstitut: Keine Gefahr durch Pestizidrückstände in Johannisbeeren

BERLIN (eb). Von den Pestizidrückständen in Johannisbeeren, die in einer von Greenpeace veranlassten Untersuchung nachgewiesen wurden, geht kein gesundheitliches Risiko für Verbraucher aus. Das teilt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit und widerspricht damit Greenpeace.

Bundesinstitut: Keine Gefahr durch Pestizidrückstände in Johannisbeeren

Johannisbeeren sollen auch bei Pestizidbelastung ungefährlich sein.

© adefoto / fotolia.com

"Die Bewertung der gemessenen Pestizidrückstände durch Greenpeace entspricht nicht den Kriterien einer wissenschaftlichen Risikobewertung", sagt BfR-Präsident Professor Andreas Hensel. So legt die Umweltschutzorganisation ihrer Bewertung unrealistische Verzehrsmengen zugrunde. Sie geht davon aus, dass ein Kind sein Leben lang täglich 500 Gramm Johannisbeeren verzehrt.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte im Juli Ergebnisse einer Untersuchung von Pestizidrückständen in Johannisbeeren veröffentlicht. Die Organisation sieht die Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern durch einige der untersuchten Proben gefährdet. Das BfR hat wiederholt Anfragen zu dieser Einschätzung bekommen und sie daraufhin geprüft.

Das BfR kritisiert unrealistische Annahmen zu Verzehrsmengen

Wird ein potenzielles Risiko durch einen Stoff in einem Lebensmittel bewertet, muss nicht nur der Gehalt des Stoffes im Lebensmittel gemessen werden, sondern auch ermittelt werden, welche Mengen des Lebensmittels Verbraucher durchschnittlich verzehren. Im aktuellen Fall geht Greenpeace in seiner Einschätzung davon aus, dass ein Kind sein Leben lang täglich 500 Gramm Johannisbeeren verzehrt. Amtlich erhobene Verzehrsdaten zeigen aber, dass die durchschnittliche tägliche Verzehrsmenge von Johannisbeeren für Kinder bei nicht mehr als 2,3 Gramm liegt.

Selbst bei einmaligem Verzehr einer großen Portion ist von nicht mehr als 150 Gramm für Kinder und 167 Gramm für Erwachsene pro Tag auszugehen. Verbraucher nehmen also über Johannisbeeren deutlich geringere Mengen an Pestizidrückständen auf als von Greenpeace behauptet.

Chronische Risiken durch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln werden mit ADI-Werten bestimmt

Einer wissenschaftlich belastbaren Einschätzung eines chronischen Risikos durch Pflanzenschutzmittelrückstände wird der so genannte ADI-Wert zugrunde gelegt, die tägliche Aufnahmemenge eines Stoffes, die ein Leben lang akzeptabel ist. Das Akronym steht für "acceptable daily intake".

Der ADI-Wert ist ein toxikologischer Grenzwert, der in der Regel bereits einen 100-fachen Sicherheitsabstand beinhaltet. Berücksichtigt man realistische Verzehrsmengen an Johannisbeeren, wird der ADI-Wert für die nachgewiesenen Pestizidrückstände nicht - wie von Greenpeace behauptet - überschritten, sondern zu weniger als einem Prozent ausgeschöpft.

In den untersuchten Proben wurden Rückstände mehrerer Pflanzenschutzmittel nachgewiesen, so genannte Mehrfachrückstände. Greenpeace bewertet diese Rückstände summarisch, indem die Ausschöpfung des jeweiligen ADI-Wertes für alle nachgewiesenen Pestizide in einer Probe berechnet und addiert wird. Zwar kann diese Methode aus wissenschaftlicher Sicht nur einen ersten Schritt darstellen und wird vom BfR für die Bewertung von Mehrfachrückständen nicht empfohlen.

Wendet man sie aber dennoch an, gelangt man auf Basis der realistischen Verzehrsmengen zu dem Schluss, dass der Summen-ADI-Wert ebenfalls zu weniger als einem Prozent ausgeschöpft wird. Ein gesundheitliches Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher besteht also nicht. Das BfR teilt damit die Einschätzung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

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