Ärzte Zeitung online, 04.08.2010

Experte: "Static Kill" verschließt Öl-Leck im Golf von Mexiko nahezu sicher

CLAUSTHAL-ZELLERFELD/BERLIN (dpa). Das "Static Kill"-Manöver zum Schließen des Öl-Lecks im Golf von Mexiko war erfolgreich. Dr. Catalin Teodoriu vom Institut für Erdöl- und Erdgastechnik der Technischen Universität Clausthal erläuterte im Interview mit dpa, wie das funktioniert hat.

Wie glaubhaft ist die Erfolgsmeldung nach den vielen gescheiterten Versuchen?

Dr. Catalin Teodoriu: Die Bohrung ist stillgelegt. Ab diesem Punkt kann nicht mehr viel passieren. Es gibt nur die sehr, sehr kleine Gefahr, dass sich Gas aus der Ölquelle in dem eingepressten Gemisch löst und den Schlammpfropf so instabiler werden lässt. Dann könnte doch wieder Öl hochkommen.

Was genau ist ein "Static Kill"?

Teodoriu: Das Totpumpen, der "Static Kill", ist ein Standardverfahren für jede Bohrung. Es bedeutet, dass eine Bohrung aktuell nicht mehr fließt, aber nicht, dass sie für die nächsten 10 oder 100 Jahre sicher verschlossen ist. Das Totpumpen ist nur ein Zwischenschritt, bis die Entlastungsbohrung fertig ist.

Warum hat man dieses Standardverfahren "Static Kill" nicht schon viel eher versucht?

Teodoriu: Für das Verfahren braucht man ein Bohrloch, das unter Kontrolle ist. Das war die Anlage im Golf von Mexiko erst, als die neue Glocke aufgesetzt war und sich als dicht erwies.

Was wird beim "Static Kill" in die Leitung gepumpt?

Teodoriu: In der Fachsprache wird das "Spülung" genannt. Das ist eine Mischung aus Wasser und verschiedenen Feststoffen mit einer Dichte von etwa 1500 bis 2000 Kilogramm pro Kubikmeter. Die Dichte ist damit viel höher als die des Öls. Von dem Gemisch wurden rund 200 Kubikmeter in das Loch gepumpt.

Das hört sich nach einem Manöver an, bei dem viel Fingerspitzengefühl nötig ist?

Teodoriu: Ja, es muss ja der ganze Bohrlochquerschnitt gefüllt werden mit dem Gemisch. Und es muss sehr, sehr langsam gepumpt werden, damit kein Überdruck entsteht. Die Kappe am Bohrloch ist ja nicht hundertprozentig dicht und stabil. Es hat wohl aber alles sehr gut geklappt.

Was bedeutet der Erfolg für die nächsten Schritte?

Teodoriu: Für die Entlastungsbohrung ist das ein großer Vorteil. Dort wird jetzt in ein System gebohrt, das schon stillgelegt ist. Das heißt, es besteht keine Gefahr mehr für einen neuen "Blow out".

Interview: Annett Klimpel, dpa

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