Ärzte Zeitung online, 06.08.2010

Nach Fehlgeburt mit neuem Versuch nicht zu lang warten

Risiko einer erneuten Fehlgeburt geringer, wenn schnell wieder empfangen wird

ABERDEEN (hub). Nach einer Fehlgeburt hat es Vorteile, schnell erneut schwanger zu werden. Die Rate erneuter Aborte ist geringer als bei einer Wartezeit von sechs bis zwölf Monaten.

Nach Fehlgeburt mit neuem Versuch nicht zu lang warten

Frauen, die nach einer Fehlgeburt erneut schwanger werden wollen, haben offenbar Vorteile, wenn sie nicht zulange mit der Empfängnis warten.

© Violetstar / fotolia.com

Die WHO empfiehlt Frauen nach einer Fehlgeburt eine Wartezeit von einem halben bis ganzen Jahr bis zu einer neuen Empfängnis. Diese Empfehlung mag für entwickelte Länder nicht mehr zeitgemäß sein, legt eine Studie aus Schottland nahe. Ausgewertet wurden die Daten von über 30 000 Frauen, die bereits alle eine erste Fehlgeburt hatten (BMJ online). Darin wurden die Frauen, alle bei der ersten Schwangerschaft rund 25 Jahre alt, in drei Gruppen eingeteilt: Erstens Frauen mit erneuter Empfängnis innerhalb der ersten sechs Monate. Das waren etwa 12 700 Frauen (41 Prozent). Zweitens Frauen, die innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wieder empfingen (rund 7800 oder 25 Prozent) und drittens, wenn der Abort mehr als 24 Monaten zurücklag (5500 oder 18 Prozent).

Die Ergebnisse: Frauen, die schnell erneut schwanger wurden, hatten ein 33 Prozent geringeres Risiko einer erneuten Fehlgeburt und ein 52 Prozent geringeres Risiko einer ektopischen Schwangerschaft - verglichen mit Frauen, die sechs bis zwölf Monate nach dem Abort erneut schwanger wurden. Erfolgte die erneute Schwangerschaft hingegen 24 Monate oder später nach der ersten Fehlgeburt, war das Risiko eines erneuten Aborts doppelt so hoch wie bei jenen mit Empfängnis nach sechs bis zwölf Monaten.

Die Autoren von der Geburtsklinik in Aberdeen in Schottland betonen explizit, dass die Ergebnisse nur für die ausgewertete Population von Frauen aus Schottland gelten. Sie seien nicht automatisch auf andere Länder übertragbar, vor allem nicht auf Entwicklungsländer. Hier könnte die WHO-Empfehlungen einer sechs- bis zwölfmonatigen Pause weiterhin anwendbar sein.

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