Ärzte Zeitung online, 09.08.2010

Die Flutwelle rollt weiter - jetzt ist Brandenburg dran

COTTBUS/POTSDAM/NIESKY (dpa). Die Flut aus Sachsen hat das Bundesland Brandenburg erreicht. An der Spree in Spremberg und an der Neiße bei Klein Bademeusel galt seit Montagvormittag die Alarmstufe 3, teilte das Landesumweltamt mit. Bis zum Abend müsse dort jeweils mit der höchsten Alarmstufe 4 gerechnet werden, sagte ein Behördensprecher.

Die Flutwelle rollt weiter - jetzt ist Brandenburg dran

Die Neiße in Bad Muskau am Montag: Die Flut rollt an.

© dpa

Die Wassermassen der Neiße haben zwei vor Bad Muskau liegende Dörfer überflutet. Es handelt sich um Podrosche und Sagar. "Sie stehen unter Wasser", sagte Andreas Johne vom Katastrophenschutzstab des Landkreises Oberlausitz-Niederschlesien in Niesky am Montag. Dort seien die Deiche unter dem Druck des Hochwassers gebrochen. Die zwei Orte in Sachsen seien zuvor geräumt und etwa 80 Menschen in Sicherheit gebracht worden.

Etwa 40 Menschen in besonders tief liegenden Gegenden in Bad Muskau mussten ihre Häuser ebenfalls verlassen. Der Fachmann schätzte den Wasserstand der Neiße auf mehr als sieben Meter. Der normale Wasserstand sei bei knapp einem Meter. Im Bereich Bad Muskau sei der Hochwasserscheitel inzwischen angekommen. Dort ist auch der Fürst- Pückler-Park bedroht, der zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Das am Wochenende wegen Überflutung abgestellte Wasserwerk Görlitz ist unterdessen wieder in Betrieb, sagte Andreas Johne. Damit seien die Haushalte versorgt. Auch die Stromversorgung funktioniere zum Großteil wieder. Seit Samstag waren etwa 5000 Haushalte in Görlitz ohne Strom, nachdem viele Umspannstationen vom Netz genommen worden waren.

Nur kurze Entspannung im Osten - Freitag Dauerregen

In den Hochwassergebieten im Osten Deutschlands gibt es nur kurze Entspannung. Am Freitag ist neuer Dauerregen in Sicht. "Und es sieht so aus, als würde es wieder den Süden und Südosten treffen", sagte Meteorologe Robert Scholz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Montag.

Ob es so schlimm wird wie am vergangenen Wochenende, ist aber noch nicht klar. Wo genau und wie viel Regen fällt, können die Meteorologen erst kurz vorher sagen. Bis dahin ist es überall in Deutschland sommerlich warm mit Tagestemperaturen um 25 Grad. Aber im Laufe der Woche ziehen wieder Wolken auf.

"Der Dienstag ist der freundlichste Tag der Woche", sagte Scholz. Ab Mittwoch steige die Gefahr von Schauern und Gewittern, die am Donnerstag im Süden und Osten kräftig ausfallen können. Starkregen und Hagel sind örtlich möglich.

Nach der Flut: Aufräumen im Erzgebirge und in Chemnitz

Im Erzgebirge und in Chemnitz hat nach der Flut vom Wochenende das Aufräumen begonnen. "Wir verschaffen uns gerade einen genauen Überblick zu den Schäden", sagte Christian Zschammer von der Flussmeisterei am Montag. Mauern seien eingebrochen, Böschungen abgerutscht. "Die Flut ist weg - die Schäden sind geblieben." Am Dienstag solle damit begonnen werden, die Flussläufe von Geröll und Baumstämmen wieder frei zu machen.

Bei dem plötzlichen Hochwasser am Wochenende waren in Neukirchen im Erzgebirge drei Menschen gestorben. Sie ertranken in einem Keller bei dem Versuch, Waschmaschinen in Sicherheit zu bringen.

Auch in Polen beginnt das Aufräumen

In Polen sind nach dem Hochwasser die Aufräumarbeiten angelaufen. Die Wasserstände gingen weiter zurück. Die Behörden stellten zehn Millionen Euro als Hilfe für die Flutopfer zur Verfügung. Dramatisch blieb die Lage in der Stadt Bogatynia an der Grenze zu Sachsen.

Weil die meisten Straßen dort zerstört wurden, können Hilfsgüter nur von Deutschland aus transportiert werden. Der stellvertretende Bürgermeister Jerzy Stachyra bat um Lebensmittel und Trinkwasser für die 18 000 Einwohner. In der Gemeinde blieben am Montag immer noch rund 1200 Haushalte ohne Strom. 22 Häuser seien nicht mehr bewohnbar und müssten abgerissen werden, sagte der Verwaltungschef von Niederschlesien, Rafal Jurkowlaniec. Nach heftigem Regen am Samstagvormittag war der Fluss Miedzianka über die Ufer gestiegen und hatte die Stadt fast vollständig überflutet.

Jetzt wird die Ursache des Dammbruchs am Witka-Stausee untersucht

Die Staatsanwaltschaft begann mit der Untersuchung der Umstände des Dammbruchs am Witka-Stausee in Niedow. Durch den Riss waren am Samstagabend fünf Millionen Kubikmeter Wasser ausgeflossen. Die Flutwelle auf der Neiße von mehr als sieben Metern Höhe bedrohte anschließend Zgorzelec und überflutete mehrere kleinere Ortschaften.

Innenminister Jerzy Miller kritisierte unterdessen die Behörden in Bogatynia. Sie hätten zu spät auf die Wetterwarnungen reagiert, sagte Miller dem Fernsehsender TVN24. Der Bürgermeister habe die Wasserstände nicht gekannt und die Brotverteilung nicht organisiert, so Miller.

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