Ärzte Zeitung online, 21.08.2010

Christoph Schlingensief ist tot

GELSENKIRCHEN (dpa/nös). Der deutsche Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief ist tot. Schlingensief, der an Lungenkrebs litt, starb am Samstag im Alter von 49 Jahren in Berlin, wie seine Ehefrau bestätigte.

Christoph Schlingensief ist tot

Christoph Schlingensief und seine Frau Aino Laberenz im März bei der Verleihung des Käutner-Preises.

© dpa

Der Krebs war im Jahr 2008 bei ihm diagnostiziert worden. Auch nach einer Operation im Dezember desselben Jahres, bei der ihm ein Lungenflügel entfernt wurde, war er nicht vollständig genesen. Immer wieder entdeckten die Ärzte neue Metastasen.

Schlingensief gehörte zu den bedeutendsten Regisseuren der Gegenwart. Wie nur wenige hat er die deutschsprachige Film- und Theaterwelt beeinflusst. Zuletzt hatte er sein Krebsleiden ins Zentrum seiner Arbeit gerückt und sich in seinen Inszenierungen damit auseinandergesetzt.

Im vergangenen Jahr erschien sein Tagebuch "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein", in dem er die Krankheit verarbeitete. Auch in seinem letzten Werk, dem Theaterstück "Mea culpa", setzte sich Schlingensief mit dem Krebs auseinander.

In diesem Jahr wollte der Regisseur seine Produktion "S.M.A.S.H. - In Hilfe ersticken" auf der Ruhrtriennale zeigen. Wegen eines erneuten Rezidivs seiner Krebserkrankung, musste er die Aufführung kurzfristig absagen.

Christoph Schlingensief wurde 1960 in Oberhausen als Sohn einer Krankenschwester und eines Apothekers geboren. Bereits in jungen Jahren unternahm er erste filmische Gehversuche. In Oberhausen studierte er ab 1981 Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik. Bereits zwei Jahre später, ab 1983, hatte er Lehraufträge an der Kunsthochschule in Düsseldorf und an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. 2009 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Aino Laberenz.

Im vergangenen Jahr gehörte Schlingensief zur Jury der Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Im Mai 2010 inszenierte er das Opernprojekt "Via Intolleranza II" nach Luigi Nono in Brüssel und anderen Orten. Im kommenden Oktober stand eine Inszenierung zur Wiedereröffnung des Berliner Schillertheaters als Ausweichspielstätte von Daniel Barenboims Staatsoper auf seinem Terminkalender.

In den 90er Jahren gehörte Schlingensief zu Frank Castorfs Hausregisseuren an der Berliner Volksbühne. Bekannt wurde er vor allem mit seinen frühen Filmen "Das deutsche Kettensägenmassaker" (1990), "Terror 2000 - Intensivstation Deutschland" (1992) und der TV-"Talkshow 2000".

Im klassischen Segment beeindruckten vor allem seine Theaterinszenierungen, Kunstperformances und Installationen wie "100 Jahre CDU", "Rocky Dutschke, 68", "Passion Impossible - 7 Tage Notruf für Deutschland" (in Hamburg), und "Hamlet" in Zürich . Von 2004 bis 2007 gab er sein spektakuläres Debüt als Opernregisseur bei den Bayreuther Festspielen mit Richard Wagners "Parsifal".

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