Ärzte Zeitung online, 31.08.2010

Helfer: Mehr Durchfallerkrankungen in Pakistan

KOT ADDU/BERLIN (dpa). In den Überschwemmungsgebieten von Pakistan wird die Zahl lebensbedrohlicher Durchfallerkrankungen durch verschmutzte Brunnen nach Meinung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ansteigen. Wenn die geflüchteten Menschen in ihre Dörfer zurückgingen, hätten sie oft nur verdrecktes Wasser.

"Dann können wir davon ausgehen, dass die Durchfallerkrankungen zunehmen", sagte der der Präsident der deutschen Sektion der Hilfsorganisation, Tankred Stöbe, in einem Telefonat zur dpa. "Das macht uns große Sorgen." Außerdem steige die Zahl von unterernährten Kindern. Stöbe ist derzeit in Pakistan.

Die WHO geht davon aus, dass mindestens 200.000 Menschen unter Durchfallerkrankungen leiden. Nach UN-Angaben sind mehr als 17 Millionen Pakistaner von den Überschwemmungen betroffen, die Ende Juli durch heftige Monsunregenfälle ausgelöst worden waren. Etwa ein Fünftel des Landes ist überflutet.

Zahlenmäßig die meisten Menschen litten zwar unter Hauterkrankungen, sagte Stöbe und bestätigte damit Angaben der WHO, wonach es mehr als 260.000 betroffene Menschen gibt. "Doch diese Erkrankungen sind in der Regel nicht tödlich", sagte Stöbe. Auch die zunehmenden Malaria-Fälle führten nicht zum Tod, da es sich um eine leichte Version handle.

Aber allein in der Spezialklinik der Organisation in der Stadt Kot Addu im Süden Pakistans würden jeden Tag mehr als 100 Durchfallerkrankungen behandelt. "Über 40 Menschen müssen wir stationär aufnehmen, weil sie so schwer krank sind, und die sind lebensgefährlich erkrankt." Habe es zunächst nur ein krankes Familienmitglied gegeben, müsse jetzt mindestens die halbe Familie krank aufgenommen werden. "Wir können davon ausgehen, dass diese Zahlen noch zunehmen." Nach der Rückkehr in ihre zerstörten Heimatdörfer hätten die meisten Menschen nur verdrecktes Wasser.

Immer mehr Menschen sind unterernährt

Ein anderes Problem zeichnet sich nach Stöbes Angaben jetzt auch bereits ab: Die Menschen seien entkräftet, immer mehr Kinder unterernährt. Arme Menschen könnten sich die auf das doppelte angestiegenen Preise für Lebensmittel nicht mehr leisten. "Das wird noch schlimmer", sagte Stöbe. "Das einzige was abgenommen hat, ist das öffentliche Interesse. Aber als Arzt, als Helfer vor Ort sehe ich, dass die Not in keiner Weise abgenommen hat. Und die Menschen verlieren den Mut und die Hoffnung, dass ihnen noch geholfen wird."

Hier können Sie spenden:
Aktion Deutschland hilft, Spendenkonto: 10 20 30, BLZ 370 205 00, Bank für Sozialwirtschaft in Köln, Spenden-Stichwort: Flut Pakistan
medico international, Konto-Nr. 1800, Frankfurter Sparkasse, BLZ 500 502 01, Stichwort "Pakistan"
Ärzte ohne Grenzen, Konto 97 0 97, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Stichwort: "Pakistan und andere Krisen"

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