Ärzte Zeitung online, 01.09.2010

Terrorverdächtige in Amsterdam offenbar harmlos

AMSTERDAM/NEW YORK (dpa).Die US-Behörden glauben offenbar nicht mehr daran, dass zwei in Amsterdam festgenommene Jemeniten Terroristen sind und Anschläge auf Flugzeuge planten. Für scheinbar gefährliche Gegenstände im Gepäck der verdächtigten Männer sowie die Änderung ihrer Flugroute von den USA nach Jemen gebe es harmlose Erklärungen.    

Das berichtete die "New York Times" in der Nacht zum Mittwoch online.    

Die beiden Jemeniten, die seit Jahren legal in den USA leben, waren am Montag auf Veranlassung des US-Heimatschutzministeriums auf dem Flughafen von Amsterdam wegen des Verdachts auf ein Terrorkomplott festgenommen worden. Sie saßen am Mittwoch noch in Untersuchungshaft. Ob sie tatsächlich einem Richter vorgeführt und angeklagt werden, wollten die niederländischen Behörden bis spätestens Donnerstag entscheiden.    

Nach den neuen Angaben aus den USA wird nun eher mit ihrer baldigen Freilassung gerechnet. Amerikanische Sicherheitsbeamte hatten es am Montag noch als alarmierend eingestuft, dass das Gepäck der beiden 48 und 37 Jahre alten Jemeniten in Chicago planmäßig auf einen Flug nach Washington umgeladen worden war, sie selbst jedoch mit einer anderen Maschine nach Amsterdam flogen.    

Dafür gibt es nun laut US-Medienberichten simple Erklärungen: Die aus verschiedenen Richtungen nach Chicago angereisten Männer verpassten wegen Flugverspätungen die Maschine nach Washington, wo sie einen Anschlussflug über Dubai nach Sanaa nehmen wollten. Sie seien daraufhin auf einen Flug der United Airlines nach Amsterdam mit Anschluss nach Jemen umgebucht worden.    

Auch bei den angeblich gefährlich anmutenden Gegenständen, die bei einer Kontrolle in den USA im Koffer des 48 Jahre alten Verdächtigen entdeckt wurden, gab es inzwischen Entwarnung: Es handele sich wahrscheinlich um Geschenke für verschiedene Empfänger im Jemen, hieß es nun.

US-Ermittler hatten vermutet, dass die Gegenstände - neben mehreren Messern mit Klebeband zusammengebundene Handys und Uhren sowie ein an einer Plastikflasche befestigtes Handy - Bombenattrappen sind und zumindest einer der Männer damit zur Vorbereitung von Anschlägen die US-Sicherheitskontrollen testen wollte. Bei dem 48-Jährigen waren zudem 7000 Dollar in bar gefunden worden. Sie seien vermutlich für Familienangehörige bestimmt, hieß es in Immigrantenkreisen. Die Mitnahme von Bargeld bei Reisen in die Heimat sei für Jemeniten üblich.    

"Das FBI hat die Sache geprüft und keinen Grund gefunden, Terrorismus zu befürchten", zitierte die "New York Times" einen nicht namentlich genannten Sicherheitsbeamten. Ein ebenfalls nicht identifizierter US-Geheimdienstler sagte der Zeitung: "Am Ende wird man das seltsam und unüblich finden, aber es hat nichts mit Terrorismus zu tun." Dienstagabend hatte bereits das US-Ministerium für Heimatschutz begonnen, vorsichtig zurückzurudern. Man warne in der Sache der zwei festgenommenen Jemeniten "vor voreiligen Schlussfolgerungen", hieß es in einer Presseerklärung.

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