Ärzte Zeitung, 09.09.2010
 

Knallbunter Würfel mit Legendenstatus

Er ist bunt, kantig und aus Kunststoff. Der Zauberwürfel hat sich kaum verändert, seitdem er vor 30 Jahren auf den Markt kam. Und doch: Er ist beliebt wie lange nicht - bei Jugendlichen und bei Erwachsenen, die sich im schnellen Lösen messen.

Von Johannes Wagemann

Knallbunter Würfel mit Legendenstatus

Den richtigen Dreh in kürzester Zeit finden, damit beschäftigen sich "Speedcuber" seit bald 30 Jahren.

© dpa

Wer den Zauberwürfel das erste Mal in Händen hält, weiß intuitiv: Das wird nicht einfach. Sechs verschiedene Farben sind bunt durcheinander gewürfelt. Und der nach allen Seiten bewegliche Würfel muss so gedreht werden, dass am Ende jede der sechs Würfelseiten nur noch eine Farbe hat. Eine Aufgabe für Menschen mit Geduld - und das seit 30 Jahren. 1980 kam das Spielzeug erstmals in großer Stückzahl auf den Markt.

Was die einen abschreckt, ist für andere so spannend, dass sie sich darin messen, wer die Würfelseiten am schnellsten passend drehen kann. Sie nennen sich "Speedcuber" - die, die den Würfel möglichst schnell bezwingen - und veranstalten regelmäßig Meisterschaften. Die Deutschen Meisterschaften finden am kommenden Wochenende (11. und 12. September) in Bottrop im Ruhrgebiet statt.

Dort wird auch Robin Blöhm an den Start gehen. Dabei hat er erst vor drei Jahren mit dem "Speedcubing" angefangen. "Ich saß in einer Mathe-Vorlesung und habe gerade nichts verstanden. Da habe ich meinen Sitznachbarn mit dem Würfel gesehen." Der 22-Jährige erinnerte sich, dass auch sein Vater irgendwo noch seinen alten Zauberwürfel hatte. "Am Anfang war es 'ne Konzentrations- und Geduldssache. Aber irgendwann ging es dann automatisch. Jetzt geht es mir um die Zeit."

Dabei war es die Idee seines Erfinders, mit dem Würfel das räumliche Vorstellungsvermögen zu verbessern. Der ungarische Innenarchitekturdozent Erno Rubik kam Mitte der 1970er Jahre auf die Idee. Außerhalb Deutschlands ist der Würfel daher auch als "Rubik's Cube" bekannt. Im damaligen Ostblock war die Verbreitung des Würfels nicht so einfach. Daher wird heute 1980 als Jahr der Markteinführung angesehen - seitdem seien weltweit 350 Millionen Stück verkauft worden, teilt Jumbo Spiele mit.

Die Konstruktion des Würfels ist bis heute gleichgeblieben. Im Inneren wird der Würfel von einem Kreuz aus Achsen zusammengehalten. Der mittlere Stein auf jeder Seite des Würfels bleibt immer an der gleichen Stelle. Alle anderen lassen sich nach oben, unten und zu beiden Seiten drehen. Um die Aufgabe zu lösen, die Würfelfarben in die richtige Reihe zu bringen, gibt es etliche Lösungsmethoden. 22 Drehungen sind mindestens nötig, um die Farben in die richtige Reihenfolge zu bringen.

Eine Art ist die Fridrich-Methode, die verschiedene Algorithmen, also Lösungsverfahren, anbietet. Das bedeutet, dass der bunte Würfel in einer bestimmten Reihenfolge gedreht wird. Auch Robin Blöhm löst die Aufgabe nach dieser Methode - und ist dabei schnell geworden. Doch als Student kann er nicht den ganzen Tag üben, ganz im Gegensatz zu jüngeren "Speedcubern". Einige drehen gar 1000 Mal an einem Tag den Würfel. Schneller als der Niederländer Erik Akkersdijk ist allerdings bislang noch niemand gewesen. Vor zwei Jahren schaffte er es in 7,08 Sekunden.

"Das ist unglaublich, wie schnell einige der jungen Spieler sind", sagt Reiner Thomsen. Er gehört mit 45 Jahren zum alten Eisen unter den Speedcubern. "Ich habe den Würfel tatsächlich schon als Kind in der Hand gehabt", sagt er. Auf der Essener Spielemesse kam er vor sechs Jahren in die Szene. "Ich habe wieder geübt und komme mittlerweile auch unter 20 Sekunden für das Lösen", sagt der Informatiker. (dpa)

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