Ärzte Zeitung online, 21.09.2010

Zwölf Männer verabredeten sich zum "Ehrenmord"

DAMASKUS (dpa). Eine 30 Jahre alte Frau ist in Syrien von Verwandten erschossen worden, weil sie einen von ihrer Familie nicht akzeptierten Mann geheiratet hatte. Zu dem "Ehrenmord" an der mit Zwillingen schwangeren Frau und ihrem Ehemann sollen sich insgesamt zwölf Männer verabredet haben.

Laut einem Bericht der syrischen Zeitung "al-Thawra" vom Dienstag sitzt bislang nur ein Bruder der Frau in Haft, der sich nach der Tat den Behörden gestellt hatte. Augenzeugen hatten jedoch ausgesagt, sie hätten am Tatort zwölf bewaffnete Männer gesehen.

Der inhaftierte Bruder des Opfers sagte nach Angaben von "al-Thawra" aus, seine Schwester sei vor vier Monaten aus dem Haus der Familie in der Ortschaft al-Kasir nahe der Stadt Homs verschwunden. Sie und ihr Ehemann schickten kurze Zeit später "Vermittler" zur Familie der Frau, um eine "Versöhnung" herbeizuführen. Ihre Bemühungen blieben jedoch vergeblich. Nach Darstellung des Bruders lauerte er der Schwester vor ihrem neuen Haus auf. Erst erschoss er sie. Dann zielte er auf ihren Ehemann.

Bislang gingen in Syrien Männer, die "aus Gründen der Familienehre" töten, meist straffrei aus. Präsident Baschar al-Assad erließ jedoch im Juli 2009 ein Dekret, wonach diese Mörder künftig für mindestens zwei Jahre ins Gefängnis müssen. Aus Sicht von Menschenrechtsorganisationen ist diese Bestrafung aber immer noch zu milde. Laut Amnesty International fielen in Syrien im vergangenen Jahr 13 Frauen und ein Mann sogenannten Tötungen aus Gründen der "Familienehre" zum Opfer.

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