Ärzte Zeitung online, 21.09.2010

Superfetation: Feldhasen können gleichzeitig zweimal schwanger werden

BERLIN/LONDON (dpa). Feldhäsinnen können erneut schwanger werden, obwohl sie noch Nachwuchs im Bauch haben. Warum das so ist, haben nun Biologen vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung untersucht.

Superfetation: Feldhasen können gleichzeitig zweimal schwanger werden

Der Feldhase als Gebärmaschine: Noch während die Feldhäsin trächtig ist, entwickelt sie neue frische Gelbkörper in den Eierstöcken.

© dpa

Bei ihren Forschungen zeigte sich, dass die Häsinnen tatsächlich während der Schwangerschaft neu befruchtet wurden und nicht einfach Samenzellen von einer vorhergehenden Befruchtung im Reproduktionstrakt speichern, wie die Wissenschaftler um Dr. Kathleen Röllig im britischen Fachjournal "Nature Communications" berichten.

Mit dieser Superfetation erhöhen die Häsinnen ihren Fortpflanzungserfolg. Sie bringen bis zu ein Drittel mehr Nachwuchs zur Welt. "Deshalb denken wir, dass Superfetation eine wichtige evolutionäre Anpassung ist", betonte Röllig.

Schon seit Aristoteles‘ Zeiten habe der Europäische Feldhase (Lepus europaeus) in dem Ruf gestanden, zur Superfetation fähig zu sein, betonten die Forscher. Bisherige Erkenntnisse zur Funktionsweise seien jedoch widersprüchlich gewesen.

Die Wissenschaftler um Röllig untersuchten trächtige Häsinnen mit hochauflösenden Ultraschallgeräten und fanden zusätzlich zu den großen aktiven Gelbkörpern noch kleine, frische in den Eierstöcken. Die Gelbkörper bilden sich nach dem Eisprung und produzieren Schwangerschaftshormone. Bei Häsinnen findet der Eisprung jedoch nicht regelmäßig statt, sondern nur nach einem Deckakt.

Etwa vier Tage vor der erwarteten Geburt entwickelten die Häsinnen so eine weitere Schwangerschaft. Die Embryonen wuchsen im Eileiter heran und wanderten Richtung Gebärmutter. Genetische Untersuchungen belegten dabei, dass es sich um neu befruchtete Eizellen handelte und nicht um gespeicherte Samenzellen.

"Vaterschaftstests mit verschiedenen Rammlern haben eindeutig gezeigt, dass die Samenzellen sich ihren Weg durch die Gebärmutter bahnen, in der sich noch der vorherige Wurf befindet", berichtete Röllig.

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