Ärzte Zeitung online, 03.10.2010

Weltgesundheitsfonds warnt vor Kürzung deutscher Gelder

NEW YORK (dpa). Eine Kürzung deutscher Gelder für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria könnte nach Ansicht des Hilfsprojektes die weltweite Gesundheitsvorsorge gefährden. "Es ist nicht nur, dass mit Deutschland der drittgrößte Geldgeber ausfallen würde", sagte Christoph Benn, Chefdiplomat des Fonds, in New York.

"Fast noch schlimmer ist die Signalwirkung: Andere Staaten schauen auf Deutschland. Wenn Berlin die Gelder so drastisch kürzt, werden im Windschatten auch andere Länder streichen", sagte Benn zur dpa.

Der Globale Fonds sammelt alle drei Jahre von den Staaten Gelder für weltweite Projekte gegen Malaria, Tuberkulose und Aids. In den vergangenen drei Jahren betrug der Haushalt 10 Milliarden Dollar (derzeit 7,3 Milliarden Euro). Der für die nächsten drei Jahre angemeldete Finanzbedarf liegt zwischen 10 und 20 Milliarden Dollar und soll diese Woche auf einer "Wiederauffüllungskonferenz" in New York konkretisiert werden. Nach Angaben von Hilfsorganisationen will Berlin seinen Zuschuss von 600 Millionen Euro für die vergangenen drei Jahre auf 200 Millionen kürzen und womöglich bald ganz aussteigen.

"Tatsächlich brauchen wir keine Kürzung, sondern ein ordentliches Plus von allen Geberländern", sagte Benn. "Viele Länder gehen da voran wie Japan mit einer bereits zugesagten Erhöhung um 30 Prozent. Frankreich und die USA geben bereits jetzt deutlich mehr als Deutschland und werden nach eigenen Angaben ihre Beiträge weiter hochfahren. Und das, obwohl die Haushaltssituation in diesen Ländern mindestens so angespannt ist wie in Deutschland." Das Signal wäre katastrophal. "Deutschland könnte vom Musterschüler zum Sorgenkind werden."

Ein starkes Engagement im Globalen Fonds wäre durchaus auch in Deutschlands eigenem Interesse. "Es geht ja nicht nur um Barmherzigkeit und moralische Werte, auch wenn diese sehr wichtig sind. Deutschland hat von seiner Hilfe einen konkreten Gegenwert", sagte Benn. "Der Global Fund bekämpft zum Beispiel auch die Tuberkulose in Osteuropa und schützt Menschen weltweit vor der Malaria. Und wenn diese Krankheiten Deutschland erreichen, ein Land mit Millionen Touristen und Geschäftsreisenden in jedem Jahr, könnten die Kosten weitaus größer sein als die Zuschüsse zu dem Fonds."

Pressemitteilung des "Global Fund To Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria" (englisch)

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