Ärzte Zeitung online, 04.10.2010

600 ICE-Passagiere nach Nothalt in Tunnel gefangen

MARGETSHÖCHHEIM/WÜRZBURG (dpa). Etwa 600 Fahrgäste eines ICE-Zuges haben knapp zwei Stunden lang in einem Tunnel nahe Würzburg ausharren müssen. Der aus Hamburg kommende Schnellzug ICE 783 habe am Montag auf der Strecke von Frankfurt nach Würzburg eine Notbremsung machen müssen, berichtete die Bahn. Hintergrund ist nach Polizeiangaben möglicherweise ein Selbstmordversuch.

Die Vollbremsung erfolgte, nachdem ein Mann die Gleise betreten hatte. Der Zwangsstopp endete im Neuberg-Tunnel bei Margetshöchheim etwa acht Kilometer nördlich von Würzburg. Wegen der polizeilichen Ermittlungen konnte der ICE zunächst die Fahrt zurück ans Tageslicht nicht fortsetzen. Mit der Technik habe aber alles gestimmt, sagte ein Bahnsprecher. "Im Zug haben alle Systeme ordnungsgemäß funktioniert."

Wegen des Zwischenfalls auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung für ICE leitete die Bahn mehrere Superschnellzüge über die parallel verlaufende Main-Strecke um. Das führte nach Bahn-Angaben zu Verspätungen von zehn bis zwölf Minuten. Erst Ende August hatte ein mit 420 Passagieren besetzter ICE in einem Tunnel in Baden-Württemberg festgesteckt - damals war ein Motorschaden der Grund.

Zunächst hatten am Montag Helfer und Feuerwehrleute die etwa 600 Passagiere zu den Tunnelausgängen führen sollen, um sie zum nächsten Bahnhof zu bringen. Später habe sich die Bahn aber entschlossen, die Fahrgäste in einen Ersatzzug umsteigen zu lassen. Ein entsprechend großer Zug sollte nach Auskunft der Bahn am Mittag eintreffen.

Vorsorglich waren in Würzburg und Fulda zwei Tunnelrettungszüge in Bewegung gesetzt worden. Verletzt worden sei bei dem abrupten Bremsmanöver jedoch keiner der Passagiere, sagte ein Polizeisprecher. "Der Lokführer steht aber extrem unter Schock", fügte er hinzu.

Nach erster Erkenntnis der Polizei war der mögliche Selbstmörder auf einem offenen Abschnitt zwischen zwei Tunneln auf die Gleise geraten. Die genauen Hintergründe des Unfalls seien aber noch unklar.

Der Neuberg-Tunnel am Ort des Vorfalls hat nach Bahnangaben eine Länge von 1946 Metern und unterquert dort zusammen mit einer ganzen Reihe von Tunneln den Spessart.

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