Ärzte Zeitung online, 07.10.2010

Immer häufiger Vergewaltigungen mit K.o.-Tropfen

MÜNCHEN (dpa/nsi). Nach Berichten aus Beratungsstellen und Frauennotrufen häufen sich Fälle von Vergewaltigungen mithilfe von K.o.-Tropfen. Bei Verdacht auf solche Tropfen lohnt sich der Weg zum Arzt: Die Wirkstoffe lassen sich auch noch zwölf Stunden nach der Einnahme nachweisen.

Immer häufiger Vergewaltigungen mit K.o.-Tropfen

Mehr als 30 Substanzen können als K.o.-Tropfen verwendet werden.

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Fast jede siebente Frau in Deutschland zwischen 16 und 85 Jahren ist nach Expertenangaben schon einmal Opfer sexueller Gewalt geworden. Dazu zählen außer einer Vergewaltigung auch der Versuch und sexuelle Nötigung. Dabei häufen sich nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) Vergewaltigungen mithilfe sogenannter K.o.- Tropfen. Das bestätigen auch Beratungsstellen und Frauennotrufe. Genaue Zahlen gebe es aber nicht, sagte der Amberger Gynäkologe Professor  Dietrich Berg am Donnerstag beim 58. DGGG-Kongress in München.

Immer noch suchten zu wenige Frauen nach einer Vergewaltigung einen Arzt auf, sagte Berg - besonders wenn K.o.-Tropfen im Spiel waren. Diese sind meist farblos und haben oft nur einen leichten Beigeschmack. Täter träufeln sie oft unbemerkt in Getränke. "Frauen, denen ohne ihr Wissen Drogen verabreicht wurden, leiden oft besonders massiv unter Scham- und Schuldgefühlen, weil sie glauben, den Blackout selbst durch Alkohol ausgelöst zu haben", sagte Berg. Oft hätten sie keine oder nur bruchstückhafte Erinnerungen an die Tat.

Hinweise auf eine unbemerkte Einnahme derartiger Tropfen seien Übelkeit, Schwindel, Atemnot, Kopfschmerzen, Krämpfe und Verwirrtheit. Ärzte könnten die Tropfen im Blut bis zu acht Stunden und im Urin bis zu zwölf Stunden nach der Einnahme nachweisen. Darum sei es wichtig, dass Frauen zum Arzt gehen, wenn sie den Verdacht haben, K.o.-Tropfen zu sich genommen zu haben. Insgesamt schalteten allerdings nur acht Prozent der Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, die Polizei ein, sagte Berg.

Mehr als 30 Substanzen können als K.o.-Tropfen verwendet werden. Dazu zählen Barbiturate, Benzodiazepine, Antihistaminika und trizyklische Antidepressiva, vor allem aber die Partydroge Gammahydroxybutyrat (GHB), bekannt auch als Liquid Ecstasy. Derivate des GHB werden als Arzneimittel verwendet, etwa in der Anästhesie.

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