Ärzte Zeitung online, 15.10.2010
 

Essen für die dritte Welt: "Qualität der Nahrungsmittel muss besser werden"

GENF/BERLIN (eb). Kleinkinder in Entwicklungsländern sollen keine minderwertigen Nahrungsmittel mehr erhalten. Das fordert die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" anlässlich des Welternährungstags am Samstag von den Geberländern der internationalen Nahrungsmittelhilfe.

"Die Geber müssen den Nährstoffbedarf von Kindern in das Zentrum ihrer Politik zur Bekämpfung von frühkindlicher Mangelernährung stellen", forderte der Präsident der internationalen Organisation, Dr. Unni Karunakara.

Geber, darunter die USA und die Europäische Union, finanzierten und verteilten nach wie vor minderwertige Nahrungsmittel in ärmeren Ländern, kritisiert die Ärzteorganisation. Doch mittlerweile sei längt wissenschaftlich nachgewiesen, dass diese Produkte die kindliche Mangelernährung nicht reduzieren.

Mangelernährung betrifft viele Millionen Kinder weltweit. Für ein Drittel der jährlich acht Millionen Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren sei sie verantwortlich, betont die Organisation. Doch dieses Problem werde durch die derzeitige Nahrungsmittelhilfe nicht gelöst. Kinder bräuchten in jungen Jahren vor allem hochwertiges Eiweiß, essentielle Fettsäuren, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralien. In minderwertigen Produkten seien die Bestandteile aber größtenteils nicht ausreichend vorhanden.

Die meisten Ernährungsprogramme für Kinder in Entwicklungsländern, die von der internationalen Nahrungsmittelhilfe unterstützt werden, setzen laut "Ärzte ohne Grenzen" fast ausschließlich auf angereichertes Mischmehl, das etwa aus Mais und Soja besteht. Den Ernährungsbedarf von Kindern unter zwei Jahren könne man damit aber schlicht nicht decken. Dies habe auch die WHO längt anerkannt.

So kritisiert denn auch die Ernährungsexpertin von "Ärzte ohne Grenzen", Dr. Susan Shepherd: "Trotz eines Konsens auf internationaler Ebene, was den idealen Nährstoffgehalt betrifft, subventionieren die Geberländer nach wie vor ein Universalprodukt, von dem wir wissen, dass es diesen Standard nicht erreicht und das Risiko, an Mangelernährung zu sterben, nicht senkt."

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