Ärzte Zeitung, 25.10.2010

"Eine deutsche Moschee für Marburg"

Mit Bescheidenheit und Offenheit plant der Marburger Oberarzt Bilal El-Zayat ein islamisches Kulturzentrum.

Von Gesa Coordes

"Eine deutsche Moschee für Marburg"

Die neue Moschee soll schlicht sein. "Wir haben auf alles verzichtet, was provozieren könnte", sagt Bilal El-Zayat, der Oberarzt an der Marburger-Uniklinik ist.

© coo

MARBURG (coo). Integrationsunwilligkeit kann man der islamischen Gemeinde Marburgs wahrlich nicht vorwerfen: Sie waren die ersten in Hessen, die ihre christlichen Mitbürger zum Fastenbrechen in ein Ramadanzelt in der Marburger Innenstadt einluden. Sie haben ein hervorragendes Verhältnis zur Jüdischen Gemeinde. Und ihre alte, viel zu klein gewordene Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee ist ein offenes Haus, in dem Besucher willkommen sind.

"Eine deutsche Moschee für Marburg"

Bisher ist die Moschee in einem Fachwerkhaus untergebracht.

© coo

Oberarzt Bilal El-Zayat ist der Vorsitzende und das Gesicht der Islamischen Gemeinde in Marburg. Der 33-Jährige ist Sohn einer Preußin und eines Ägypters, den das Studium nach Marburg verschlug. El-Zayat hat nicht nur einen deutschen Pass. Er ist auch Lokalpatriot: "Marburg ist meine Heimat. Das ist eine der schönsten Städte der Welt", sagt er. Und wenn manche Patienten darüber staunen, dass der Arzt perfekt deutsch spricht, kann er nur müde lächeln. Keine andere Sprache spricht er besser. Jetzt hat er sich neben dem aufreibenden Job an der Marburger Uni-Klinik für Orthopädie noch einer zweiten Aufgabe verschrieben - der geplanten Marburger Moschee.

Vor wenigen Wochen hat er die Pläne für den Bau des muslimischen Gotteshauses in Marburg vorgestellt: Eine Moschee ohne Minarett, ohne Kuppel, ohne Muezzin-Ruf. "Wir haben auf alles verzichtet, was provozieren könnte", sagt El-Zayat. Nach Gesprächen mit den christlichen Kirchen änderte die Gemeinde ein islamisches Ornament, das an die Kreuzsymbolik erinnert. Auf den Rat der Jüdischen Gemeinde wird die Moschee einen Keller haben. Er heißt "Orbach-Keller", nach dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde.

Kritische Stimmen sind bislang kaum laut geworden. Das war vor drei Jahren noch völlig anders. Damals scheiterten die Pläne für eine neue Moschee an einer von der CDU im Stadtparlament angezettelten Diskussion. Die Moslems müssten beweisen, dass sie Demokraten seien. Zum Teil stünden sie unter dem Verdacht, Islamisten zu sein, warfen ihnen die Konservativen vor.

Damals habe eine diffuse Terrorismusangst geherrscht, sagt El-Zayat: "Dagegen kann man sich kaum wehren", weiß der Deutsch-Ägypter: "Wir sind alle junge Leute, gut ausgebildet, gut integriert, bringen unseren Müll raus und reisen viel. Wir passen perfekt in das Bild möglicher Schläfer." Es tauchten Schmähschriften auf. Die Bank, die das für die Moschee geplante Gebäude verkaufen wollte, zog ihr Angebot zurück.

Seitdem gibt es einen "Runden Tisch der Integration". Heute kommt Amnon Orbach als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu den hohen Festen der Moslems. El-Zayat ist beim Laubhüttenfest dabei. "Einfach war das zunächst nicht", sagt er.

Der Weg der Integration gilt auch in der Islamischen Gemeinde. In Marburg beten Schiiten neben Sunniten, Frauen mit Kopftuch und ohne Kopftuch, Mystiker und Sophistiker, Männer mit langem Bart und Bartlose, Linke und Rechte sowie Moslems aus mehr als 40 Nationen. Auch das birgt Konfliktstoff. So gibt es jedes Jahr Streit darum, wann Ramadan gefeiert wird, weil dies überall unterschiedlich geregelt ist. Und es sind auch nicht alle Gemeindemitglieder glücklich über die "bescheidene Moschee", an der nur das Treppenhaus an ein Minarett erinnert. "Das ist eine deutsche Moschee", erklärt El-Zayat seinen Glaubensbrüdern. Wenn alles gut geht und die Frage des Ortes für die Moschee geklärt ist, soll 2011 mit dem Bau begonnen werden. Finanziert werden die 1,2 Millionen Euro Baukosten aus Spenden. Und damit niemand glaubt, dass Hamas oder Hisbollah dahinter stecken, will El-Zayat der Stadt Einsicht in die Spenderdatei geben.

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