Ärzte Zeitung online, 26.10.2010

Forscher identifizieren Riesenvirus im Meer

VANCOUVER/WASHINGTON (dpa). Wissenschaftler haben ein Riesenvirus im Meer identifiziert, das wahrscheinlich eine Schlüsselrolle in der Nahrungskette spielt. Es ist das bislang größte bekannte Virus der Meere und das zweitgrößte der Welt.

Der Erreger mit dem Namen Cafeteria roenbergensis virus (CroV) wurde in Gewässern vor Texas gefunden und befällt einen Planktonorganismus. Mit seinen 730 000 Bausteinen (Basenpaare) enthält er mehr Erbgut als manche Zellorganismen. Das Riesenvirus kurbelt nun die Diskussion darüber an, wo die Grenze zwischen Leben und Nicht-Leben verläuft (PNAS online).

Viren gelten eigentlich nicht als Lebewesen, da sie sich nur in Zellen von befallenen Pflanzen, Tieren oder Menschen vermehren können. CroV besitze jedoch selbst Baupläne für Eiweiße, die sich die Viren normalerweise zur Vermehrung von den Wirtszellen nehmen, schreiben die Forscher um Curtis A. Suttle.

Damit verschwimme die Unterscheidung von Leben und Nicht-Leben. Suttle arbeitet in der Abteilung für Erd- und Meereswissenschaften an der Universität von British Columbia im kanadischen Vancouver.

CroV wurde schon in den frühen 90er Jahren aus dem Meer gefischt. Die Wissenschaftler entdeckten nun aber erst seine Größe und mögliche Bedeutung. Das Meeresvirus befällt einzellige Flagellaten, die sich unter anderem von Bakterien im Plankton ernähren.

Suttle und Kollegen schreiben dem Riesenvirus eine Schlüsselposition in der Nahrungskette und somit den Ökosystemen der Meere zu. Seine Gene enthalten Informationen, die von lebenden Zellen typischerweise zur Reparatur von Erbmaterial sowie der Herstellung von Eiweißen und Zuckern verwendet werden, heißt es weiter.

Das größte bislang bekannte Virus der Welt befällt Süßwasser- Amöben und enthält 1,2 Millionen Basenpaare. Es trägt den Namen Acanthamoeba polyphaga mimivirus. Zum Vergleich: Das Erbgut des Bakteriums Mycoplasma genitalium zählt etwa 580 000 Grundbausteine und wird zu den Lebewesen mit den kleinsten Genomen gerechnet.

Topics
Schlagworte
Panorama (30929)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tumorpatienten bei Schmerztherapie unterversorgt

Viele Krebskranke erhalten keine adäquate Schmerztherapie. Das hat eine erste Analyse der Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz" ergeben. mehr »

ADHS-Arznei lindert Apathie bei Alzheimer

Eine Therapie mit Methylphenidat kann die Apathie bei Männern mit leichter Alzheimerdemenz deutlich zurückdrängen. mehr »

Zehn Jahre "jünger" durch Sport

Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als ein Bewegungsmuffel. mehr »