Ärzte Zeitung, 29.10.2010

Warum Frauen beim Sport weniger schwitzen

Warum Frauen beim Sport weniger schwitzen

Frauen schwitzen beim Sport längst nicht so schnell wie Männer - das weibliche Kühlsystem springt langsamer an.

© Kzenon / fotolia.com

Das Kühlsystem des Körpers reagiert bei Männern schneller, insbesondere bei größeren Anstrengungen. Zu diesem Ergebnis kam jetzt eine japanische Studie mit trainierten und untrainierten Frauen und Männern.

OSAKA (MUC/eb). Je besser trainiert jemand ist, desto schneller wird die zur Kühlung des Körpers notwendige Schweißproduktion aktiviert. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wie eine japanische Studie von Tomoko Ichinose-Kuwahara aus Osaka (Exp Physiol. 2010; 95(10): 1026-32) herausfand.

Ob beim Radeln, Joggen oder in der Sauna: Während den Männern schon nach kurzer Zeit der Schweiß aus allen Poren tritt, zeigt sich bei Frauen erst mal kein einziger Tropfen. Doch was manche Männer neidisch werden lässt - "Du hast es gut, Du schwitzt ja gar nicht" -, ist gar kein Vorteil. Das Kühlsystem des Körpers reagiert bei Männern schneller, insbesondere bei größeren Anstrengungen.

Zu diesem Ergebnis kam eine Studie mit zehn trainierten und zehn untrainierten Frauen sowie acht trainierten und neun untrainierten Männern. Die Forscher untersuchten, wie schnell und stark die Probanden ins Schwitzen kamen, wenn sie auf einem Standfahrrad bei 30 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 45 Prozent eine Stunde lang strampelten. Die Belastungen wurden dabei variiert (35, 50 und 65 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max) der Teilnehmer).

Bestimmt wurde die durchschnittliche Schweißproduktion und -menge auf Stirn, Brust, Rücken, Vorderarmen und Oberschenkeln. Sie war bei trainierten höher als bei untrainierten Personen. Männer schwitzten schneller und mehr als Frauen, wobei der Unterschied bei größeren Anstrengungen deutlicher zutage trat. Nach Meinung der Wissenschaftler begünstigt das die Ausdauer und Leistungsfähigkeit, weil eine optimale Kühlung die Belastung des Körpers reduziert.

Die japanischen Wissenschaftler vermuten, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede evolutionsbedingt sind. Da der Wasseranteil des weiblichen Körpers geringer ist als der des männlichen, kommt es bei Frauen schneller zum Wassermangel. So könnte der geringere Flüssigkeitsverlust durch weniger Schwitzen den Frauen in dem heißen Klima, in dem die frühen Menschen lebten, genutzt haben.

Bei den Männern wirkte sich dagegen die effektive Kühlung vorteilhaft aus, weil sie stärker körperlich gefordert waren, zum Beispiel bei der Jagd.

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