Ärzte Zeitung online, 28.10.2010

Foodwatch fordert Verbot für Sauerstoff-Fleisch

BERLIN (dpa). Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert ein Verbot für Sauerstoff-Fleisch. "Die Sauerstoff-Behandlung hat für den Verbraucher nur Nachteile: Sie kaschiert das Alter von Frischfleisch und macht es schneller zäh und ranzig", sagte Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt am Donnerstag.

Eine Kennzeichnung des kosmetischen Aufpeppens von frischem Fleisch mit Sauerstoff reicht ihm nicht. "Stattdessen muss der Einsatz von Sauerstoff in einer höheren Konzentration als in der Umgebungsluft bei der Frischfleisch-Behandlung verboten werden." An diesem Freitag beraten Bund, Länder und Experten über künftige Regelungen bei Sauerstoff-Fleisch.

Das Problem ist länger bekannt, wie Unterlagen zeigen. In dem Protokoll einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Lebensmittelsicherheit von 2007 heißt es, das mit Sauerstoff behandelte Fleisch zur besseren Rotfärbung könne den Verbraucher "in die Irre" führen.

Lebensmittel dürfen nach dem Lebensmittelgesetzbuch nicht den Anschein einer besseren Beschaffenheit erwecken, ohne dass dies gekennzeichnet ist. Aus Sicht des Bundesverbraucherministeriums ist die Behandlung von frisch verpacktem Fleisch mit einem bestimmten Gasgemisch nicht gesundheitsgefährdend.

Wenn sich die Beschaffenheit des Fleisches wegen längerer Lagerung aber ändert, soll dies aus Sicht des Ministeriums gekennzeichnet werden.

Foodwatch hatte Lebensmittelketten im August vorgeworfen, Frischfleisch in Kühltheken zulasten der Qualität aufzupeppen. Das bundeseigene Max-Rubner-Instituts warnt, dass das Fleisch ranzig werden kann, und sieht auch ein mikrobiologisches Risiko durch frühe Bräunung bei der Zubereitung.

Im September entschied das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg, dass Kunden bei unverpacktem Frischfleisch an den Ladentheken auf die vorherige Behandlung der Ware hingewiesen werden müssen.

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