Ärzte Zeitung online, 30.10.2010
 

Kurios: Chefarzt wird zur Hebamme

BREMEN (eb). Manchmal muss alles ganz schnell gehen. Und wenn es ein Kind ist, das sofort auf die Welt kommen will, dann wird schon mal der Chefarzt zur Hebamme - und das nicht etwa im Kreißsaal, sondern mitten in der Eingangshalle. So geschehen am Mittwoch im Klinikum Bremen-Mitte.

Kurios: Chefarzt wird zur Hebamme

Chefarzt Dr. Daniel Kamil mit den eiligen Yannik und seiner Mutter Yefen Chen.

© Gesundheit Nord gGmbH

Der eilige Neugeborene sollte eigentlich erst am 11. November zur Welt kommen, wie das Klinikum am Freitag mitteilte. Doch die zwei Wochen wollte er wohl nicht mehr abwarten - er hatte andere Pläne.

Genau genommen, so die Klinik, wollte er nicht einmal warten, bis seine Mutter den Kreißsaal erreicht hatte. Nein, er wollte sofort auf die Welt kommen. Seine Mutter hatte zu diesem Zeitpunkt gerade erst die Eingangshalle der Klinik erreicht.

Der kleine, eilige Junge, Yannik heißt er, erblickte denn auch an eben jenem Ort die Welt. Doch wer es so eilig hat, wird auch nicht auf eine heran eilende Hebamme warten wollen. So musste der gerade anwesende Chefarzt Dr. Daniel Kamil eingreifen und den Geburtshelfer mimen.

Kamil zur Blitzgeburt: "Mir war sofort klar, dass das Baby nicht mehr auf sich warten lässt. Also habe ich meine Arbeit gemacht - mit bloßen Händen, denn ich hatte nicht einmal Zeit, mir Handschuhe anzuziehen."

Als die von ihm herbeigerufene Hebamme in der Eingangshalle ankam, war der eilige Yannik schon auf der Welt und bereits in ein Handtuch gewickelt.

Seine Mutter nahm die ungewöhnliche Geburt mit Humor: "Ich wusste ja, dass es beim zweiten Kind meistens schneller geht", sagt Yefen Chen. "Aber damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet."

Gegen Mittag habe sie die ersten leichten Wehen gespürt, in Ruhe ihre Sachen gepackt und sich dann mit ihrem Mann auf den Weg gemacht, so die Klinik. Schon bei der Parkplatzsuche seien die Wehen heftiger geworden.

Sie schaffte es gerade noch bis in die Eingangshalle der Klinik. "Es hat ungefähr zwei Minuten gedauert, dann war Yannik da. Das war vermutlich die schnellste Geburt aller Zeiten", sagt die 37-jährige Bremerin. "Aber es hat ja alles gut geklappt."

Medizinische Gründe gibt es für die rasende Geburt laut Klinik übrigens nicht. Und für die frisch gebackenen Eltern zählt ohnehin nur, dass es dem kleinen Yannik gut geht: "Wir sind überglücklich, dass er da ist."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »