Ärzte Zeitung online, 01.11.2010

Soziale Kontakte erhöhen Geburtenzahl - bei Delfinen

SYDNEY (dpa). Wenn Delfine untereinander gute soziale Kontakte pflegen, bringen sie auch mehr Kälber zur Welt. Die Ergebnisse einer internationalen Forschergruppe unterstreichen einmal mehr die sozialen Fähigkeiten der Säugetiere.

Soziale Kontakte erhöhen Geburtenzahl - bei Delfinen

Flaschennasendelfine: ein junges Kalb schwimmt in einem Becken in Brisbane mit seiner Mutter.

© dpa

Für die jetzt veröffentlichte Studie hatten die Wissenschaftler 52 Flaschennasendelfine aus der Meeresbucht Shark Bay im Westen Australiens erforscht (PNAS online). Die Wissenschaftler um Dr. Celine Frère von der University of New South Wales in Sydney analysierten sowohl die Beziehungen innerhalb der Gruppe als auch den Verwandtschaftsgrad der Flaschennasendelfine (Tursiops sp.).

Zudem wurde über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren ermittelt, wie viele Kälber die Delfinweibchen "erfolgreich" zur Welt brachten. Als erfolgreich stuften die Forscher Geburten von Kälbern ein, die mindestens drei Jahre alt wurden.

Wenn ein Delfinweibchen viele Kälber zur Welt brachte, waren auch ihre Verwandten mit häufigem Nachwuchs gesegnet. Auch soziale Beziehungen wirkten sich positiv auf die "Kinderzahl" aus.

Die meisten Erfolgsgeburten hatten die Delfine, die sowohl soziale Beziehungen als auch gute genetische Anlagen hatten. Keinen Einfluss hatte hingegen die Dauer der Sozialkontakte oder der Verwandtschaftsgrad der befreundeten Delfine.

Die Forscher vermuten, dass sich Delfinweibchen mit einem Kalb mit anderen Müttern verbünden - vor allem dann, wenn Räuber in der Nähe sind. Dadurch könnten sich die Mütter beim "Wache schieben" abwechseln. Bislang war nur wenig darüber bekannt, wie Gene und soziale Faktoren sich auf den Gebärerfolg von wilden Säugetier- Populationen auswirken.

Flaschennasendelfine haben ähnlich wie Menschenaffen einen besonders langsamen Lebenszyklus. Sie werden spät geschlechtsreif, die Abstände zwischen einzelnen Geburten sind sehr groß und auch die Kindes-Pflege der Mutter dauert lange.

Die erwachsenen Flaschennasendelfine leben in nach Geschlechtern getrennten Gruppen. Die Größe und Zusammensetzung dieser Gruppen variiert jedoch ständig.

Die Flaschennasendelfine in der Shark Bay werden bereits seit Mitte der 1980er Jahre untersucht - somit gehören sie zu den am besten erforschten Delfinpopulationen der Welt.

Topics
Schlagworte
Panorama (32834)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Debakel für ASS

Acetylsalicylsäure schützt Ältere nicht vor Herz-Kreislauferkrankungen - im Gegenteil: Ihr Sterberisiko ist erhöht. Mit diesem Ergebnis überrascht die ASPREE-Studie. mehr »

Einige Frauen sind besonders dufte

Für Männer-Nasen riechen einige Frauen besser als andere. Das hängt mit der Fortpflanzung zusammen, berichten Forscher aus der Schweiz. mehr »

Mysterium Blasenschmerz-Syndrom

Bis zu 60 Mal am Tag auf die Toilette: Die interstitielle Zystitis, auch Blasenschmerz-Syndrom genannt, ist wenig bekannt. Die deutschen Urologen haben nun erstmals Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie herausgebracht. mehr »