Ärzte Zeitung online, 09.11.2010

Haiti: Mindestens 20 Tote nach Hurrikan - über 500 Tote durch Cholera

PORT-AU-PRINCE (dpa). Hurrikan "Tomas" hat in Haiti mindestens 20 Menschen getötet. Elf weitere Einwohner werden noch vermisst. Wie der Zivilschutz des karibischen Landes am Montag weiter mitteilte, richtete der Sturm am vergangenen Wochenende vor allem im Südwesten und im zentralen Department Artibonite Schäden an. Artibonite ist auch besonders schlimm von der Cholera betroffen.

Die Regierung setzte am Montag Baumaschinen ein, um die unpassierbaren und überspülten Straßen zu reparieren. "Tomas" war am Freitag und Samstag westlich an Haiti vorbeigezogen. Er hatte das Land weitgehend verschont. Der Sturm hat sich inzwischen nordöstlich der Bahamas aufgelöst.

Die Zahl der Cholera-Todesfälle nahm während der Vorbeiziehens des Hurrikans innerhalb von drei Tagen von 442 auf 501 zu. Auch die Zahl der Erkrankten stieg deutlich an. In den Krankenhäusern wurden bereits 7359 an Cholera erkrankte Menschen behandelt.

Wegen der Sturmgefahr hatten die Behörden zwei der insgesamt vier Cholera-Behandlungszentren wieder abbauen müssen. Vorübergehend stehen deshalb nur etwa 1000 Betten zur Behandlung von Cholera-Kranken zur Verfügung. Dadurch hatte sich die Lage zugespitzt.   

In den Slums von Haiti droht jetzt ein Ausbruch der Cholera. Die Situation dort sei weiterhin sehr ernst, sagte der Direktor des Institutes für Seuchen in Port-au-Prince (GHESKIO), Jean William Pape, der dpa. Die von internationalen Organisationen geleiteten Obdachlosen-Camps für die Erdbeben-Opfer seien hingegen weniger gefährdet, weil sie Toiletten und sauberes Wasser hätten.

Wegen des Hurrikans musste die GHESKIO zwei ihrer Cholera-Behandlungszentren schließen müssen aus Angst, dass die Zelte wegfliegen. Derzeit stehen in den Zentren 2000 Betten zur Verfügung, das sei viel zu wenig, sagte Pape.

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