Ärzte Zeitung, 21.12.2010

Von den Folgen eines Gedächtnisverlusts

Gérard Depardieu spielt die Hauptrolle in einem jetzt angelaufenen Kinofilm über Kindheitserinnerungen, komplizierte Familienbeziehungen und einen Gedächtnisverlust mit gefährlichen Folgen.

Von Christoph Fuhr

Von den Folgen eines Gedächtnisverlusts

Gérard Depardieu als Konrad Lang in Bruno Chiches Romanverfilmung "Small World".

© Magali Bragard / Majestic

BERLIN. Mit fast einer Million verkauften Exemplaren ist "Small World" der bislang erfolgreichste Roman des Schweizers Martin Suter. Jetzt ist seine Erfolgsgeschichte um einen an Alzheimer erkrankten Mann mit Gérard Depardieu in der Hauptrolle verfilmt worden.

Regisseur und Drehbuchautor Bruno Chiche bringt Suters Bestseller über Kindheitserinnerungen, komplizierte Familienbeziehungen und Gedächtnisverlust mit großem Staraufgebot auf die Leinwand. Neben Dépardieu spielen die deutsch-rumänische Schauspielerin Alexandra Maria Lara und Françoise Fabian, eine der Grandes Dames des französischen Films.

Die Hauptfigur in "Small World" ist der 60-jährige Konrad Lang (Gérard Depardieu), bei dem typische Symptome einer Demenzerkrankung zu beobachten sind. Er hat erhebliche Probleme mit seinem Kurzzeitgedächtnis und findet nach dem Einkauf nicht mehr in seine Wohnung zurück. Zusehends vergisst er alltägliche Dinge, erinnert sich aber immer präziser an seine früheste Kindheit.

Genau deshalb zieht es ihn zurück in den Schoß der Industriellen-Familie Senin, zu der sich Konrad durch die gemeinsam verbrachte Kindheit mit dem gleichaltrigen Thomas zugehörig fühlt. Mehr und mehr erinnert sich Konrad an Details seiner frühesten Kindheit - und das sorgt bei Familie Senin für massive Verunsicherung.

Wie Gehirnleistung gezielt trainiert werden kann

"Small world" - das ist eine Geschichte, die das Leben täglich neu inszeniert, denn Alterungsprozesse mit all ihren Folgen (be)treffen früher oder später jeden Menschen. Hier mal den Autoschlüssel verlegt, da mal einen Termin verschwitzt. Es fängt im Kleinen an, kann aber zehn bis fünfzehn Jahre später zu massiven Einschränkungen führen.

Dass mit zunehmendem Alter das Gedächtnis allmählich nachlässt, ist bei weitem keine Seltenheit. Selbst jüngere Menschen ab 45 Jahren spüren bereits minimale Leistungseinbußen in punkto Konzentration, Aufmerksamkeit, Merk- und Gedächtnisleistung.

Anders als in "Small World" hat jeder einzelne die Chance, bei nachlassender mentaler Leistungsfähigkeit frühzeitig Leistungseinbußen zu begegnen.

Das Unternehmen Schwabe, das die Produktion von "Small World" unterstützt, hat im Umfeld des Films eine Internet-Plattform eröffnet: Auf "mental-aktiv.de" gibt es eine Vielzahl von speziellen Übungen, die etwa die Merkfähigkeit, Koordination und Schnelligkeit spielerisch zugleich fordern und fördern.

Die Botschaft: Je besser das gelingt, desto geringer ist die Gefahr, Gefangener in der eigenen "Small World" zu werden. (eb)

http://www.mental-aktiv.de

Die junge Gattin des Familienerben der Senins (Alexandra Maria Lara) beginnt, das Puzzle aus Konrads Erinnerungen zusammenzusetzen. Sie ist einem lebensgefährlichen Geheimnis auf der Spur. "Mich hat die Verfilmung von ,Small World‘ mehr berührt als der Roman, natürlich auch deshalb, weil ich den Roman selbst geschrieben habe.

Ich fand den Film sehr elegant, richtiges Kino", lobte Suter nach der Voraufführung. Dabei hatte Regisseur Bruno Ciche durchaus Probleme, die besondere Struktur der Buchvorlage in seinem Film zu adaptieren. "Es war mir wichtiger, den Emotionen des Romans treu zu bleiben, als seinem exakten Handlungsverlauf", sagte Chiche.

"Dass Martin Suter der Film gefällt, ist meine schönste Belohnung." Für sein Buch hatte Suter viel über Alzheimer recherchiert. "Mein Vater ist in einem relativ fortgeschrittenen Stadium des Alzheimers gestorben", erinnert er sich in einem Interview. "Ich habe ihn erlebt als jemand, der immer mehr in die Vergangenheit zurückging - kein seltenes Symptom bei der Krankheit. Er erkannte Leute auf uralten Fotos wieder, aber Leute aus seiner Gegenwart manchmal überhaupt nicht mehr."

Danach kam Suter die Kernidee für seinen Romanbestseller: "Was wäre, wenn der Vater in der Vergangenheit, in die er immer präziser zurück kam, etwas erlebt hätte, was er vergaß, als er größer wurde - und wie würde er das der Gegenwart vermitteln können? Das war die Konstellation: diese Zeitreise-Idee."

Regisseur Bruno Chiche sparte am Ende der Film-Dreharbeiten nicht mit Lob: "Ich habe nicht mit Stars zusammengearbeitet, sondern mit Schauspiel-Giganten", sagte er. "Man merkt ihnen das Spiel nicht an, so sehr tauchen sie mit großer Ehrlichkeit und Klugheit in ihre Rollen ein."

"Small World", vom Karlsruher Pharmaunternehmen Dr. Willmar Schwabe unterstützt, ist am 16. Dezember in den deutschen Kinos angelaufen.

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